Bevors richtig losgeht, kommt der erste vegane Einkauf im Bio-Laden. Fazit: Schokolade, Margarine, Frischkäse (!), Bratwürste – alles vegan. Wenn auch nicht immer ohne furchterregende Zusatzstoffe. Das Lesen aller Inhaltsangaben ist ganz schön nervig und fast 60 Franken für das Bisschen ist ganz schön viel. Nichtsdestotrotz, ich bin voll motiviert!

Den ersten Fauxpax hab ich schon begangen. Erst daheim gesehen: Das Müsli ist mit Honig gesüsst. Leiden Bienen, wenn man ihnen den Honig nimmt? «Zur Gewinnung von Honig für den menschlichen Konsum müssen ganze Bienenvölker manipuliert und kontrolliert werden. Der natürliche Entwicklungsprozess der Völker wird durch die Entnahme des Honigs massiv beinflusst. Sobald die Leistung der Bienen entsprechend abnimmt wird das Volk ganz oder teilweise eliminiert», schreibt die Vegane Gesellschaft Schweiz. «Das muss nicht sein», sagt Manuel Fuog, französischer Kleinimker. «Man kann Honig ethisch und tiergerecht produzieren. Ich nehme nur den Überschuss raus, den mein Volk produziert. Und ich töte nie ein Tier, weder das Volk noch die Königin.» Fuog warnt aber auch: «Auch bei Bienen gibt’s Massentierhaltung. Es lohnt sich also, sehr genau hinzuschauen, woher man seinen Honig hat.»

Was denn nun?

Nina und Claudia in ihrem Laden «Seifenoper».

Quelle: Tanja Polli

Schnitzel und Cappuccino sind das eine, aber schnell wird klar – damit ist es nicht getan. In den meisten Kosmetikprodukten stecken haufenweise tierische Produkte. Cholesterol in Cremes zum Beispiel. Das wird aus tierischen Fetten, Nervengewebe und Blut hergestellt oder Civet in Parfüms – ein Sekret, das in schmerzvoller Weise aus einer Drüse in der Nähe des Geschlechtsorgans von Zibetkatzen geschabt wird... Auf der deutschen Tierschutzwebsite Peta.de finde ich eine Liste der möglichen Inhaltsstoffe von Kosmetika und geb gleich auf.

Und mach mich auf den Weg in die Seifenoper. In ihrem kleinen Geschäft in der Winterthurer Altstadt verkauft Claudia Rindler mit selber gezogenen Kräutern und Blüten in Kleinserien hergestellte vegane Kosmetik. Daneben arbeitet Claudia Rindler alias Claudia von Rotten als Maskenbildnerin für Film und Fernsehen. Vorzugsweise präpariert sie Leichen.

Lustiger Zufall: Claudia Rindler ist nicht allein im Laden. Neben ihr steht Nina Sennhauser. Sie hat gleichentags ihre Lehre als Detailhandelsangestellte begonnen. Aufmerksam auf die Seifenoper wurde sie durch das Porträt, das ich letztes Jahr über Claudia Rindler geschrieben habe. Sie ging damit schnurstracks ins Geschäft und fragte, ob sie hier eine Lehre machen könne. Sie kann. Sachen gibt’s.