Wenn man sich in einer grösseren Runde zum Essen trifft, kommt spätestens mit Angeboten wie «Pizza mit Salami», «Frischkäse» oder «Erdbeerglace» der erste Einwurf: «Das kann ich leider nicht essen, darauf reagiere ich allergisch.»

Mehr als jeder Dritte weiss laut einer Befragung des Zürcher Unispitals aus eigener Erfahrung, wie sich das anfühlt: Man bezahlt den Genuss mit Bauchkrämpfen, Sodbrennen, Kopfweh, Ausschlägen. Bei anderen sinkt der Blutdruck, Schwindelgefühle oder Herzrhythmusstörungen stellen sich ein.

Solche Reaktionen nehmen seit Jahrzehnten insbesondere in den Wohlstandsländern deutlich zu. Im Verdacht stehen Umweltfaktoren, aber auch Lifestyle-Glaubenssätze, die Gluten oder Laktose als grundsätzlich problematisch oder ungesund erscheinen lassen.

Ist die Zunahme von Allergiesymptomen also ein Luxusproblem und oftmals erst durch Ängste verursacht? Ein körperliches Krankheitszeichen als Folge einer hyper­sensibilisierten Psyche? So einfach ist die Sache nicht.

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«Man kann eine Unverträglichkeit geradezu heranzüchten›, warnen Experten.»

Andres Büchi, Chefredaktor Beobachter

Nicole Krättli und Susanne Loacker zeigen in unserer Titelgeschichte «Gutes Essen, schlechtes Essen», dass Betroffene zuerst abklären sollten, ob sie eine Allergie haben oder ob sie an einer Lebensmittelunverträglichkeit leiden. Auch wenn der Pseudoallergiker genauso leiden kann wie der Allergiker, sind die Ursachen doch sehr verschieden.

Bei einer Allergie leitet das Immunsystem durch eine Überreaktion die unangenehmen bis schweren körperlichen Reaktionen ein. Bei einer Intoleranz hingegen mischt sich das Immunsystem nicht ein, sondern der Patient reagiert mit körperlichen Beschwerden direkt auf ein bestimmtes Lebensmittel.

Sich bloss nicht verunsichern lassen

Wenn die Diagnose Allergie lautet, sollte man die nachweisbaren Allergene meiden, weil auch ein geringer Reiz Beschwerden oder einen allergischen Schock auslösen kann. Bei einer Unverträglichkeit hingegen sind die Reaktionen dosisabhängig. Und zu grosse Vorsicht kann das Problem gar verschärfen. Wer seinem Körper ganz abgewöhnt, gewisse Nahrungsmittel zu verwerten, oder wer auf jedes denkbare Unwohlsein achtet, kann eine Unverträglichkeit geradezu «heranzüchten», warnen Experten.

Wir sollten uns also nicht verunsichern lassen von der steigenden Zahl modischer und teurer Produkte, die mit «laktosefrei», «glutenfrei» oder «free from» werben. Wer keine diagnostizierbare Allergie oder Intoleranz hat, sollte auch auf psychischen Stress achten, statt die Schuld vorschnell beim Milchzucker im Joghurt zu suchen oder bei seiner Verdauung. Die ist meist durchaus zufrieden – mit einer ausgewogenen Ernährung und möglichst wenig Fertigprodukten.

Der neue Beobachter

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte «Böses Essen – Gluten- und laktosefreie Produkte erleben einen zweifelhaften Boom» in der aktuellen Beobachter-Ausgabe.

Weitere Themen des Hefts: Glaube und Liebe – eine lesbische Frau gesteht ihre Liebe im Beichtstuhl. Reise zu den Wurzeln – ein Beobachter-Journalist sucht seine Vorfahren. Und: Psychische Erkrankungen – ein Psychiater widerlegt acht Vorurteile.

Der Beobachter 21/2015 erscheint am Freitag, 16. Oktober. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

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