Beobachter: Was haben Sie gegen vorverarbeitete Lebensmittel?
Hans-Ulrich Grimm: Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn man mir ein paar Handgriffe abnimmt, zum Beispiel beim vorgeschnetzelten Salat. Ich habe aber etwas gegen Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker. Fertiggerichte schmecken abscheulich. Das bisschen Geschmack wird diesen Speisen durch Aromastoffe beigefügt. Damit wird der Konsument betrogen. Er weiss nicht, was er wirklich isst.

Beobachter: Experten sagen aber, die Qualität der Fertiggerichte habe sich in den letzten Jahren markant verbessert.
Grimm: Was ist Qualität? Jeder merkt doch den Unterschied zwischen einem selbst gemachten Kartoffelstock und einem «Quick Lunch», auch wenn die Essensingenieure heute geschmackstechnologisch sehr weit sind. Und gesund sind diese Produkte sicher nicht. Liest man die Deklaration auf der Verpackung, entdeckt man Stoffe, die in grossen Mengen höchst gesundheitsschädlich sind. Zudem machen die Aromen und Geschmacksverstärker dick. Und Konservierungsstoffe sind per se lebensfeindlich, denn sie müssen Bakterien abtöten.

Beobachter: Viele Leute haben heute keine Zeit mehr, Kartoffelstock zuzubereiten oder Ravioli selber herzustellen. Sind Convenience-Produkte keine gute Alternative?
Grimm: Das ist Quatsch. Heute hat man mehr Zeit zur Verfügung als früher, die Freizeitkultur blüht ja. Es ist eine Frage des Wollens, ob man 15 Minuten Lebenszeit investiert für den Wohlgeschmack und ein gesundes Essen.

Beobachter: Convenience-Produkte finden reissenden Absatz. Immer mehr Leute kaufen die schnellen, bequemen Lebensmittel.
Grimm: Kein Wunder, es werden ja auch Milliarden in die Werbung investiert. Doch wir benötigen diese Produkte nicht. Klar braucht es Zeit, bis zum Beispiel eine Sauce eindickt, doch die Emulgatoren, die das beschleunigen, tun dem Darm nicht gut. Ich bin dafür, dass man seinen Darm etwas liebevoller und pfleglicher behandelt.