Noch zwei Tage. Ich bin froh. Weil ich schon nach einer knappen Woche eine Pause brauche. Weniger von der veganen Küche als von den ständigen Diskussionen. Mit Freunden, mit Bekannten mit dem Service- und dem Verkaufspersonal...

«Entschuldigung, dürfte ich wissen, woraus die Sauce besteht?»

«Die Sauce? Da muss ich fragen.»

«Ähm, die Chefin will wissen, warum Sie das wissen wollen.»

«Weil ich vegan lebe.»

«Vegan? Also Fleisch hat es sicher nicht drin.»

«Und Milch und Eier?»

«Macht das auch was?»

«Ja, ich möchte nichts essen, das von Tieren stammt.»

«Hä?». Kritischer Blick. Kopfschütteln. «Ok, dann frage ich halt nochmal.»

«Also, es hat schon Milchpulver drin und etwas mit Eiern, aber es ist alles aus der Schweiz.»

Eigentlich habe ich Hunger und mein Interviewpartner wartet. Immerhin liefert mir die Servicefachkraft ein gutes Stichwort. «Suisse Garantie», dachte ich bis anhin, sei ein Garant für eine mehr oder weniger vertretbare Tierhaltung. Seit ein paar Tagen weiss ich, dass das nicht stimmt und ich habe das dringende Bedürfnis, dieses Wissen zu teilen.

Wussten Sie, dass wer in der Schweiz konventionelle Rinderzucht betreibt, den Tieren keinen Auslauf ins Freie gewähren muss? Nie. Dass Stroh im Stall nicht zwingend ist? Dass drei Quadratmeter Stallfläche pro ausgewachsenes Mastrind reichen und dass das neue Tierschutzgesetz einzig verlangt, dass auf den Spaltenböden jetzt eine Gummimatte liegt? Ich wusste das nicht.

Damit gehöre ich laut einer Umfrage des Schweizer Tierschutzes (STS) zur grossen Mehrheit. Nur 20 Prozent der Befragten, berichtete der Kassensturz, wissen Bescheid, der Rest ist wie ich der Werbung mit den glücklichen Kühen auf den Leim gekrochen.

Immerhin, sogar Zeitungen, deren Leserschaft traditionell sicher nicht aus Vegetarieren und Veganerinnen besteht, werfen Fragen auf. In der Basler Zeitung erfährt man, dass 94 Prozent der Leserschaft die Haltung von sieben Huskys in einer Wohnung für untolerierbar hält. Da stellt sich die Frage: Essen Huskyfreunde Servelats? Wahrscheinlich, obwohl es den Schweinen in den Ställen kein bisschen besser geht als den Schlittenhunden in der Wohnung. Denn auch ich würde ich meinen Nachbarn anzeigen, wenn er meine Katze quälen würde, achte aber nicht darauf, ob mein Waschmittel an Tieren getestet wurde. Warum?

Aus Bequemlichkeit einerseits, aber auch, weil ich in dieser komplexen Welt ohne die Fähigkeit der Verdrängung wohl ziemlich schnell verrückt werden würde.

Und gerade weil die ständige Auseinandersetzung mit Misständen so anstrengend ist, brauche ich sicheres Terrain. Im veganen Tante-Emma-Laden «Little Shop of Ethics» in Winterthur muss ich nicht fragen, was wo drin ist. «Tierleidfrei» ist alles. Wie schön. Hier gibts neben Lebensmitteln auch vegane Schuhe, Fairtrade-Kleider und vegane Cupcakes und Torten. Voll motiviert kaufe ich ein: täuschend echt aussehenden Pizzakäse (die Jungs essen ihn anstandslos ;-)), Bratspeck aus Weizeneiweiss (euphemistisch: Geschmackssache) und ein Steinsalz, das nach Ei schmecken soll. Bin ja mal gespannt und google schon mal tierfreundliche Hühnerhaltung.