Können ungekochte Nudeln verderben? Kann roher Reis schlecht werden? Braucht es für diese oder andere lang­­-le­bige Nahrungsmittel wirklich ein Mindesthaltbarkeitsdatum? Diese Fragen beschäftigen derzeit die Agrarminister der EU im Kampf gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Sie wollen darüber entscheiden, ob der Datierungszwang für Nahrungsmittel wie Nudeln oder Reis fallen soll.

Jährlich werden in der Europäischen Union 89 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Oft unnötigerweise. Denn viele Konsumenten verwechseln die unterschiedlichen Haltbarkeitsdaten: Das sogenannte Mindesthaltbarkeitsdatum sagt lediglich aus, dass die Qualität des Produktes nach Ablauf des Datums mög­licherweise etwas nachlässt. Das kann heissen, dass sich etwa die Farbe oder die Konsistenz leicht verändert. Gesundheitsgefährdend ist das nicht.

Beim Verbrauchsdatum da­gegen geht es um Lebenmittelsicherheit. Allerdings wird es von der Industrie gerne äus­serst gross­zügig verwendet. Joghurt zum Beispiel kann oft bis zu einem Monat über das Ver­brauchs­datum hinaus gegessen werden. Wenn es gut schmeckt und riecht und kein Schimmel zu sehen ist, steht dem Genuss nichts im Weg.

«Hats Eier drin oder nicht?»

Die Schweiz und die EU haben bereits Salz, Essig, frisches Obst und Gemüse (dessen Zerfall ohnehin augenfällig ist), Wein und harte Alkoholika, ­Zucker in fester Form sowie Kaugummi von der Datierungsvorschrift befreit.

Die automatische Übernahme allfälliger neuer EU-Vorschriften ist nicht geplant. Trotzdem kommt das Mindesthaltbarkeitsdatum auch hierzulande unter Druck. «Food Waste Datierung», die Arbeitsgruppe des Bundes, arbeitet seit einiger Zeit ­gemeinsam mit Lebensmittelindustrie, Handel und Konsumentenschutzor­ganisationen an einem entsprechenden Leitfaden. «Wir schauen uns die Sache auf jeden Fall sehr genau an», sagt Michael Beer vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwissenschaft. Besonders bei Nudeln hänge es auch von der Beschaffenheit ab, ob ein Mindesthaltbarkeitsdatum sinnvoll sei oder nicht: «Es macht beispielsweise einen Unterschied, ob Eier drin sind oder ob es sich um ein reines Hartweizenprodukt handelt.» Immer unnötig ist laut Michael Beer hingegen das sogenannte «Zu verkaufen bis»-Datum: «Das gibt es aus Verordnungssicht gar nicht – es ist eine Erfindung der Indus­trie.»