Analogkäse, der [auch Kunstkäse, Käse­ersatz oder Käse-Imitat]: Beim Analogkäse wird das Milchfett durch billigeres Pflanzen­fett oder Rindertalg ersetzt. Ist ernährungs­physiologisch weniger wertvoll, da die Spu­ren­­elemente und Mineralstoffe der Vollmilch fehlen. Macht wegen des höhe­ren Fettgehalts dicker als echter Käse. Lässt sich gut ­tarnen und existiert in ver­schiedenen Geschmacksrichtungen wie Mozzarella oder Cheddar, das Aroma stammt aus dem Reagenzglas. Er kostet in der Herstellung halb so viel wie herkömmlicher Käse.

Butter, die: Im ehemaligen Ostblock gab es Butter mit unterschiedlichem Buttergehalt. Je mehr Butter, desto teurer, je mehr Wasser, desto billiger. Hier ist es umgekehrt: Die gepanschte Halbfettbutter für Linienbewusste mit 42 Prozent Buttergehalt kostet zum Beispiel bei Coop im 200-Gramm-Mödeli 70 Rappen mehr als die Vollbutter.

Convenience-Food, das [engl. «conve­nience»: Bequemlichkeit, Komfort]: Fertigpizzas, Tortelloni aus dem Beutel und Rösti aus der Büchse: Was als quasi fertiges Gericht im Regal steht, bietet den Herstellern die beste Möglichkeit, an den Zutaten zu schrauben. Solche Lebensmittel enthalten mehr gehärtete Fette und Zucker sowie Hilfs­stoffe wie Emulgatoren und Stabilisatoren als Selbstgekochtes.

Deklaration, die: Was in den Lebensmitteln drin ist, muss deklariert werden. Gesetz ist etwa, dass die Bestandteile gemäss ihrem Anteil am Ganzen in absteigender Folge aufgeführt werden. Ein Blick auf die Inhaltsliste lohnt sich: So kommt die Zutat Broccoli bei einer Broccolisuppe aus dem Beutel mit 3,6 Prozent erst an siebter Stelle, Pflanzenfette und Kartoffelmehl stehen ­dafür auf Platz eins und zwei. Salz rangiert übrigens bereits an fünfter Stelle und damit noch vor dem Broccoli, was bedeutet, dass auf jeden Fall mehr als 3,6 Prozent des ­Inhalts auf Salz entfallen.

Edellinien, die: wie Coop Fine Food und Migros Sélection. Tests ergaben, dass sie qualitativ nicht unbedingt besser als günstigere Produkte sind, sicher aber teurer.

fettfrei: täuscht als Argument bei ­Süssem oft darüber hinweg, dass es dank enorm viel Zucker trotzdem dick machen kann.

Geschmack, der: kann mit dem jeweiligen Lebensmittel nichts oder nur wenig zu tun haben [→ Vanille; → naturidentisch].

Gesetzgeber, der: hinkt Entwicklungen in der Industrie oft hinterher. So ist etwa der Einsatz von Käseersatz [→ Analogkäse] bislang in der Schweiz nicht geregelt.

Grossmutterart, die: wird gerne als Argument für Authentizität von Rezeptur und Zutaten bemüht. Kann aber auch nur ein Marketingslogan sein.

Konsument, der: tut gut daran, sich die Deklarationen von Lebensmitteln, insbesondere von Convenience-Food, genau und mit einer Portion skeptischer Spitz­findigkeit anzuschauen [→ Pesto].

Lebensmittelindustrie, die: lässt sich immer wieder neue Tricks einfallen, bis der → Gesetzgeber ihr einen Riegel schiebt. So wurden jahrzehntelang Poulet-Nuggets und ähnliche Produkte verkauft [→ Poulet-Cordon-bleu], ohne dass auf der Ver­packung vermerkt war, dass es sich um zerkleinertes und neugeformtes Hühnerfleisch handelt.

leicht: Steht auf der Packung das Wort «leicht» als Prädikat, bezieht sich das möglicherweise nicht etwa auf den Kaloriengehalt, sondern allein auf das Gewicht des Nahrungsmittels. Ein beliebter Trick, um das schlechte Gewissen des Konsumenten auszuschalten, etwa bei Knabberwaren.

mit: ist ein praktisches Wort, wenn verschleiert werden soll, dass ein Bestandteil nur in kleinen Mengen vorkommt, etwa «Süssgetränk mit Fruchtsaft».

naturidentisch: bedeutet, dass die chemische Zusammen­setzung eines Aromas, etwa dem von Erdbeeren, gleich ist wie diejenige des echten Lebensmittels. Stammt aber zu 100 Prozent aus dem Labor.

Pesto, das: Im Zeichen der Italianità ist ­es Allgemeinwissen, dass Pesto aus Basilikum, Knoblauch, Pinienkernen, Parmesan und Olivenöl hergestellt wird. Oft kommt aber billiges Sonnenblumenöl zum Einsatz. Und Hersteller ersetzen die teuren Pinienkerne nur allzu gerne durch Cashewnüsse.

Pflanzenfett, das: Bei Pflanzenfett handelt es sich meist um das Öl der Ölpalme. Dieses ist massiv billiger und ernährungsphysiologisch deutlich weniger wertvoll als etwa Butter, weil es mehr gesättigte Fettsäuren enthält. Nicht nur in Kunstkäse [→ Ana­log­­käse], sondern in vielen Backwaren zu finden. Selbst «Petit Beurre», die die Butter sogar im Namen tragen, enthalten mitunter gerade mal drei Prozent Butter, der viel grössere Rest ist Pflanzenfett.

Poulet-Cordon-bleu, das: Wer denkt, dass sie wie weiland beim Grosi aus Pouletbrustschnitzeln gemacht werden, irrt: Geschreddertes Hühnerfleisch, in Form gepresst, tuts auch, finden die Hersteller. Steht mittlerweile immerhin auf den Packungen.

Roastbeef, das: Selbst bei aufgeschnittenem und abgepacktem Roastbeef lohnt sich ein Blick auf die Deklaration. Statt ­Aufschnitt aus dem teuren Entrecôte-Stück vom Rind kann «Rinder-Wurstware» im Kühlregal liegen. Erkennbar durch den Aufdruck «Hergestellt aus Rindfleisch».

Schinkenersatz, der: Auch hier mehr Schein als Sein; minderwertiger Schinken wird mit Wasser und Stärke aufgekocht und neu in Form gebracht [→ Schweinefleisch­erzeugnis, gekocht].

Schweinefleischerzeugnis, gekocht, das: Wurst- und Fleischwaren, die irgendwie mit Schweinefleisch zu tun haben. Kann aussehen wie «gewachsenes» Fleisch, muss es aber nicht sein [→ Schinkenersatz; → Roastbeef; → Poulet-Cordon-bleu].

Vanille, die: Schote einer Orchidee [Vanilla planifolia] mit schwarzen, winzigen Samenkörnern, die die Hauptgeschmacks­träger sind. Nicht jedes Produkt mit Vanille­geschmack und schwarzen Pünktchen ent­hält aber die wertvollen Samen, sondern möglicherweise nur die leere, geschredderte Schote – vor allem, wenn der Begriff «Vanillesamen» in der Inhaltsliste fehlt.