Der Deal geht so: Coca-Cola darf im August an einer Fach­tagung der Gesellschaft für ­Ernährung (SGE) ein «Frühstückssymposium» durchführen. Im Gegenzug zahlen sie der nationalen Instanz für gesundes Essverhalten einen ­«tiefen vierstelligen Pauschalbetrag», wie SGE-Geschäfts­führer Christian Ryser sagt. ­Das Umfeld ist für den Süss­getränke­multi attraktiv: In den Räumen der Universität Bern und begleitet vom Bundesamt für Gesundheit erhält er Zugang zu wich­tigen Fachleuten und Meinungsträgern: Wissenschaftlern, Ernährungsberaterinnen, Medi­zinern, Hauswirtschafts­lehrerinnen.

Um den Begriff Sponsoring zu vermeiden, lautet die offi­zielle Sprachregelung: Coca-Cola finanziert nicht die Fach­tagung, sondern entschädigt die SGE für erbrachte Leistungen. Konkret stellt die SGE ­Coca-Cola Rechnung dafür, dass sie den Experten des Getränkekonzerns «vorgängig in Bezug auf die offiziellen Ernährungsempfehlungen und die aktuel­le wissenschaftliche Evidenz prüft». Coca-Cola kann so «mit dem anwesenden Fach­publikum ein gesundheitsrelevantes Ernährungsthema diskutieren», so SGE-Leiter Ryser.

Es kostet nur ein Butterbrot

Einen prominenten Auftritt an der Tagung «Ernährung und Nachhaltigkeit» gewährt man auch dem Nahrungsmittel­multi Nestlé, unter anderem spe­zialisiert auf zuckerhaltige ­Getränke und fetthaltige Fertigspeisen. Nestlé verleiht am Anlass den «Ernährungspreis» und zahlt der SGE ebenfalls ­einen «tiefen vierstelligen Pauschalbetrag» für Saalmiete und Infra­strukturkosten, so Ryser.

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Mit dem Finanzierungskonstrukt und dem eigenen Programmblock für die beiden Konzerne kann sich die SGE von den Multis bezahlen lassen und gleichzeitig Distanz zu ihnen markieren. Auch Nestlé sponsere nicht etwa die Tagung, sondern trage «mit der Verleihung des Ernährungspreises und den dabei vor­gestellten Forschungsarbeiten viel zu einer spannenden Diskussion von Ernährungsthemen bei», heisst es.

Ein Blick auf die Liste der SGE-Gönner zeigt: Alles, was in der Nahrungsmittelindustrie Rang und Namen hat, will sich positionieren, auch Danone, Unilever, McDonald’s, Zweifel, Wander, Migros, Coop, Selecta. Das kostet die Firmen ein Butterbrot. Wer wie viel zahlt, geht aus dem Jahresbericht nicht hervor. Die Gönnergelder machen aber laut SGE nur 11 Prozent der Gesamteinnahmen aus und verteilen sich auf 38 Firmen. Nicht eingerechnet sind Erträge aus Leistungen, die die SGE Coca-Cola und Nestlé für die Tagung verrechnet. Für ­Ryser kein Problem: «Es ist garantiert, dass die SGE unabhängig und glaubwürdig bleibt.»

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