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SmoothiesFlüssige Früchte

Grüne Smoothies heissen die Drinks aus ganzen Früchten oder Gemüse plus Pflanzengrün. Was steckt hinter dem Boom?

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Hollywood surft auf einer grünen Welle: Die schönheits- und gesundheitsbewussten Stars schwören auf «grüne Smoothies». Die cremigen Mixgetränke, je nach Zutaten eher braun als grün, unterscheiden sich von herkömmlichen Fruchtsäften dadurch, dass sie nebst Fruchtfleisch auch ganze Früchte und insbesondere Gemüse und grüne Blätter in pürierter Form enthalten.

Den Hype ausgelöst hat Victoria Boutenko. In ihrem Erfahrungsbericht «Raw Family – A True Story of Awakening» erzählt die Amerikanerin, wie sie an einer Herzkrankheit litt, ihr Mann an rheumatischer Arthritis und an einer Schilddrüsen­überfunktion und ihre Kinder an Diabetes und Asthma. Als die Schulmedizin nicht helfen konnte, stellte Victoria Boutenko die Ernährung der Familie auf vegane Rohkost um. Alle Krankheiten sollen daraufhin auf wundersame Weise verschwunden sein.

Von der Wirkung verblüfft, ging die Hausfrau der Sache auf den Grund. Aus der Tatsache, dass der Mensch über 98 Prozent seiner Gene mit den Schimpansen teilt, folgerte sie: Weil sich Affen von Rohkost ernähren, sollten wir das auch tun.

Die grünen Smoothies erfand die gebürtige Russin ganz nebenbei, weil ihre Liebsten keinen Salat mochten. Sie pürierte das Grünzeug mit Früchten und nahm ihm so den herben Geschmack. Natürlich schrieb sie auch dazu ein Buch. Bereits ist der Grüne-Smoothies-Boom nach Europa übergeschwappt, von Boutenko sind mehrere Titel auf Deutsch erhältlich.

Wer im Internet stöbert, findet Artikel, die grüne Smoothies als «Wundermittel» oder «Beauty-Drink» preisen. Als Begründung wird unter anderem angeführt, dass nur rohe Zutaten verwendet würden, die besonders viele Vitalstoffe enthielten. Vor allem das grüne Chlorophyll bringe einen besonderen gesundheitlichen Nutzen, unter anderem helfe es beim Aufbau neuer Blutzellen und fördere die Regeneration. Und weil die Zutaten püriert werden, könne der Körper die vielen gesunden Nährstoffe besser aufnehmen. Zudem sollen die grünen Drinks basenbildend wirken, was ein Segen sei für von Kaffee, Zucker und tierischem Eiweiss übersäuerte Körper.

Ernährungstechnische Mythen

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung hält nichts von solchen Mythen: «Die Behauptungen über die angeblichen gesundheitlichen Vorteile von grünen Smoothies sind wissenschaftlich nicht haltbar.» Insbesondere die Versprechungen in puncto Chlorophyll seien fragwürdig. Ausserdem könne ein gesunder Körper dank Puffersystemen sehr gut mit Säuren umgehen. Sie warnt ausdrücklich davor, sich ausschliesslich von veganer Rohkost zu ernähren. «Vor allem Kinder stellen eine Risikogruppe dar. Eine ausgewogene Ernährung unter Berücksichtigung aller Lebensmittelgruppen hilft, Mangelerscheinungen vorzubeugen», so die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung

Auch Boutenkos Argumentation mit den Affen hält einer Überprüfung nicht stand. «Unsere grosse Verwandtschaft mit Schimpansen schliesst nicht aus, dass es zwischen ihrer und unserer Art wichtige Unterschiede gibt», sagt der an der Uni­versität Zürich lehrende Primatenforscher Carel van Schaik. Sein Kollege Richard Wrangham von der Harvard-Universität geht davon aus, dass das Kochen bei der Menschwerdung sogar der entscheidende Punkt war: «Weil die frühen Menschen das Kochen entdeckten, waren sie fähig, mehr Nährstoffe aufzunehmen. Erst diese Errungenschaft ermöglichte es unserer Spezies, ein grosses Gehirn zu entwickeln.»

Machen wir uns also mit dem vermeintlichen Zaubertrank zum Affen? Höchstens im übertragenen Sinne, denn die Evolution ist kein umkehrbarer Prozess. Und hin und wieder einen grünen Smoothie zu trinken kann nicht schaden. Selbst Ernährungsberaterin Steffi Schlüchter räumt ein, dass pürierte ganze Früchte mit oder ohne Gemüse unbestritten mehr wertvolle Inhaltsstoffe enthalten als handelsübliche Fruchtsäfte.

Wer die Wirkung der grünen Smoothies tes­ten will, sollte Folgendes beachten:

1.  Der Mixer: Für die ersten Versuche reicht ein gewöhnlicher Pürierstab. Für diejenigen, die auf den Geschmack kommen, empfiehlt sich ein leistungsstarker Standmixer.

2.  Die Reihenfolge: Am besten pürieren Sie das härtere Gemüse zuerst separat mit etwas Wasser. Grünzeug und reife Früchte kommen später hinzu.

3.  Die Zutaten: Gestalten Sie Ihren Smoothie simpel. Am besten experimen­tieren Sie anfangs mit einer Frucht und Grünzeug, etwa grünem Ge­müse, Garten­kräutern oder Sprossen; empfehlenswert sind vor allem Pfefferminze, Zitronen­melisse und Blattgemüse. An exotische ­Zutaten wie Wildkräuter, Laub von Bäumen und Sträuchern sowie Triebe von Nadelbäumen sollten sich nur Kundige wagen.

4.  Der Mix: Verwenden Sie zu Beginn lieber etwas weniger Grünzeug, dafür mehr Früchte. Das Blattgrün hat oft einen eigenwilligen Geschmack, der für manche nur in kleinen Dosen erträglich ist.

5.  Die Extras: Puristen verwenden ausschliesslich Früchte und grüne Zutaten. Allerdings machen Gewürze und ein paar Nüsse oder ein Schuss Pflanzenöl oft den entscheidenden Unterschied. Zudem benötigt der Körper Fett für die Aufnahme der ­Vitamine A, D, E und K.

Rezepte:

Süsser Einstieg             
1 reife Banane
2 süsse Äpfel (mit Gehäuse)
2 Handvoll Babyspinat
4 Kohlrabiblätter
Grün von einer Karotte
0,5 Liter Wasser


Herzhafter Einstieg
1 halbe Avocado
1 Zitrone (geschält)
1 Handvoll Babyspinat
4 Stangen Stangensellerie
0,5 Liter Wasser


Grüne Kaltschale
2 frische Feigen
2 gelbe Peperoni
1 kleine Zucchini
1⁄4 Chilischote
100 Gramm Salat
4 Stängel Dill
1 Prise Salz
Dekoration: fein gehackter Dill, dünne gelbe Peperonistreifen, Paprikapulver.

Aus: Christian Guth, Burkhard Hickisch: «Grüne Smoothies. Die supergesunde Mini-Mahlzeit aus dem Mixer»; Verlag Gräfe und Unzer, 2013, 128 Seiten, CHF 19.90

Veröffentlicht am 31. Mai 2013