Rinder fördern die Klimaerwärmung. Ihre Fürze enthalten grosse Mengen Methan, ein aggressives Treibhausgas. Und die Rinder hinterlassen wahre Jaucheseen, die ebenfalls Methan freisetzen. Zudem ­saufen die Viecher Unmengen. Wer ein Pfund Entrecote isst, «verbraucht» etwa gleich viel Wasser, wie wenn er ein halbes Jahr lang täglich duscht. Der amerikanische Ernährungs- und Umweltpapst John Robbins hat berechnet, dass wer regelmässig Rindfleisch isst, die Umwelt mehr schädigt als jemand, der einen Offroader fährt. In Bezug auf industriell erzeugtes Fleisch hat Robbins recht. In Tierfabriken werden Rinder unter fragwürdigen ­Umständen gehalten und mit Kraftfutter gemästet. Um sie früher zur Schlachtbank führen zu können, wird den Grasfressern Kraftfutter aus Mais verabreicht. Dabei sind Kuhmägen für das Verdauen von Mais ungeeignet. Die unsachgemässe Fütterung verschlingt nicht nur einen Grossteil der globalen Getreideproduktion, sie ist direkt mitverantwortlich für Methanfürze und Jaucheseen.

Dass es auch anders geht, zeigt Kat Taylor mit ihrer Farm im kalifornischen Pescadero. Von ihrem Ehemann, dem Hedgefonds-Manger Tom Steyer, wünschte sie sich statt einer Traumvilla eine Ranch, um zu beweisen, dass man mit ökologischer Landwirtschaft Geld verdienen kann. Ihr Mann kaufte dem Frieden zuliebe eine Ranch, die sich aber in einem miserablen Zustand befand. Der frühere Pächter hatte alles verkauft, was nicht niet- und nagelfest war, sogar die fruchtbare Erdkrume hatte er wegkarren lassen. Taylor sanierte das Grundstück, um danach Viehzucht zu betreiben – ohne den Boden zu zerstören und ohne Wasser zu verschwenden.

Kat Taylor hat ihr Ziel erreicht. Ihre Rinder fressen auf den Wiesen ausschliesslich Gras. Die bessere Verdauung wirkt sich positiv auf die Treibhausgasbilanz aus. Die Tiere trampeln abgestorbenes Pflanzenmaterial in den Boden, wo es kompostiert wird. Gleichzeitig rauen sie die Oberfläche auf und sorgen so dafür, dass die Erde mehr Regenwasser aufnehmen kann. Auf diese Weise absorbieren die Wiesen mehr CO2.

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Die Rinder wandern von Weide zu Weide, und die Hühner folgen ihnen auf dem Fuss. Sie fressen Käfer und andere Insekten, die sich im Kuhdung eingenistet haben. So erhalten sie wertvolle Proteine und vernichten Parasiten. Der Mist der Hühner düngt die Weiden. Und auch Fische tragen zum Ökokreislauf bei. Sie werden in einem Teich gehalten und mit Insekten gefüttert. Abfälle aus der Fischverarbeitung düngen die Gemüsebeete.

Fleisch, Eier, Fisch und Gemüse werden über den Onlinedienst «Good Eggs» verkauft. Das Jungunter­nehmen wendet sich an eine Kundschaft, die keine Möglichkeit hat, sich auf lokalen Bauernmärkten mit Frischprodukten einzudecken. Verteilnetze bestehen bereits in Brooklyn, San Francisco, Los Angeles und New Orleans. Unsere Schweizer Biobauern vertreiben ihre Produkte seit Jahrzehnten auf ähnliche Art und Weise. Man löst ein Abo und wird mit saisongerechten Produk­ten versorgt. Dank modernster Technik ist das System von «Good Eggs» viel flexibler, die Auswahl viel grösser.

Wer Hightech mit Bio kombiniert, kann ein gutes ­Geschäft machen. Tom Steyer, der sich anfänglich über die kommerzielle Naivität seiner Frau lustig machte, kommt aus dem Staunen nicht heraus: «Wir könnten zehnmal mehr verkaufen, als wir produzieren, und zwar innerhalb von zehn Minuten.»

Das Beispiel von Kat Taylors Rinderfarm und dem Vertrieb via «Good Eggs» gibt Anlass zur Hoffnung. Mit ökologischem Bewusstsein, gepaart mit landwirtschaftlichem Fachwissen, Geschäftssinn und Hightech, kann man qualitativ hochstehende Lebensmittel pro­duzieren und trotzdem die Umwelt schonen.

Der Kolumnist Philipp Löpfe arbeitet als Buchautor und Wirtschafts­journalist in der Schweiz.