Edmund Kaspar sitzt auf einem Baumstumpf und geniesst. Den Schatten. Die Kühle. Die Ruhe. Das Plätschern des Bächleins hinter der Hütte. Und das unablässige Summen aus den 20 Bienenstöcken auf der winzigen Lichtung in einem Hain bei Schnottwil am Bucheggberg: Kaspar ist passionierter Hobbyimker und «Vater» von rund einer Million Bienen.

Es ist zehn Uhr morgens. Auf den ersten Blick übersieht man leicht den Eingang zu Kaspars kleinem Paradies. Ein schmaler Trampelpfad führt wenige Meter durchs Gehölz auf die kleine baumfreie Stelle. Erste Sonnenstrahlen kämpfen sich durchs dichte Blattwerk und streicheln zaghaft wie schüchterne Finger die Fluglöcher am Bienenhaus, verdrängen langsam, aber bestimmt die morgendliche Frische. Es wird ein heisser Tag werden. «Da, sehen Sie, die schönen Pollenhösli.» Kaspar steht dicht vor einem Flugloch an seinem Bienenhaus, wo emsig ein und aus geflogen wird. Die Hütte hat der pensionierte Maschinenbauer - Kaspar ist 70 - selbst gebaut. Genauso wie die Bienenstöcke. «Herkömmliche Stöcke orientieren sich nicht an der Natur. Meine schon», sagt er. Kaspar hat sie dem natürlichen Lebensraum eines Bienenvolks nachempfunden: Die Holzkisten simulieren das Bienenleben in einem hohlen Baumstamm.

Zuerst stellt Kaspar die Kiste mit den Steigwaben auf, dort lebt das Volk. Wenn sich die Bienen ans Honigproduzieren machen, setzt er unter die erste eine weitere Kiste, in der die Immen ihre Vorräte, also den Honig, anlegen. Ist das Lager voll, setzt Kaspar noch eine kleinere Kiste zuoberst auf den Turm. «Das ist der überflüssige Honig, und nur den nehme ich ihnen weg.» Das würden sie ihm danken, meint er. «Überhaupt habe ich einen sehr guten Kontakt zu meinen Bienen, es ist ihnen wohl bei mir.» Man glaubt es ihm gerne, wenn er mitten im Gesumme steht und ohne Handschuhe bienenbehangene Waben aus der Kiste holt. Nicht eines der stachelbewehrten Insekten gibt ein hektisches Summen von sich. Einzig wenn ein Gewitter aufziehe oder er zu dunkle Kleidung trage, setze es mal einen Stich.

Ein guter Imker ist ein guter Beobachter. Kleine, selbstentwickelte Kniffe ermöglichen es Kaspar, seine Bienen durchs Jahr zu begleiten, ohne zu sehr in ihr Leben einzugreifen: «Ich mache nie einen Stock ohne triftigen Grund auf.» Stattdessen hält er lieber einen Schraubenzieher wie eine Stimmgabel als Verstärker an die Holzkiste und horcht am andern Ende, wenn er wissen will, wie es den Bienen geht. Dann lauscht er den Tönen, die seine «Beieli» von sich geben - «jetzt, das laute Summen, das war die Königin» -, beobachtet ihr Flugverhalten. Er untersucht sogar das, was unterm Bienenstock herausfällt, wie es weiland die chinesischen Hofärzte mit den Exkrementen des Kindkaisers taten. «So sehe ich zum Beispiel, wie viele der acht Steigwaben, die maximal in einem Stock Platz haben, besetzt sind.» Und ob die Bienen tüchtig dabei sind, Waben zu bauen.

Keine Milde für die Milbe
Und auch, wie es mit der Varroamilbe steht. Diese überträgt eine bakterielle Krankheit, die Faul- oder Sauerbrut, die immer wieder unzählige Bienenvölker das Leben kostet. «Man darf es fast nicht sagen, aber viele Imker sind selber schuld, wenn ihnen die Bienen wegsterben.» Zum Beispiel letztes Jahr. Viele Bienenzüchter hätten das Mittel, das die Varroamilbe tötet, zu spät ausgelegt. «Aus Gier, weil sie mehr Honig ernten wollten.» Dann sei es zu kalt geworden, und das Mittel habe nicht mehr wirken können.

Rund 200 Kilogramm Honig erntet Kaspar jährlich von seinen 20 Völkern, das 500-Gramm-Glas verkauft er für zehn Franken. Das deckt kaum die Investitionen und Unkosten: «Es ist wirklich nur ein Hobby.» Wenigstens habe ihm die Gemeinde den Boden gratis zur Verfügung gestellt. Die tut gut daran, den Bienenvater zu unterstützen. Denn ohne Bienen keine Ernte, kein Obst, keine Beeren.

Anzeige

Geschleudert wird der Honig vor Ort im Häuschen. Dann nimmt er ihn zum Filtern und Rühren mit nach Hause. Gerade Blütenhonig kristallisiert leicht: «Lange rühren ist daher wichtig, das zerstört die Zuckerkristalle, und der Honig wird schön zart und streichfähig.» Tatsächlich ist sein blass cremefarbener Honig so geschmeidig, als wäre er schon mit Butter vermengt. Kaspar selber isst Honig nur auf dem Butterbrot, bäckt im Winter allenfalls Lebkuchen, die er gemeinsam mit seiner Frau auf dem Nidauer Weihnachtsmarkt verkauft. Und Met habe er schon einmal hergestellt, dieses alkoholische Getränk aus vergorenem Honigwasser, das schon die alten Kelten tranken. «Das schmeckt ganz gut», sagt er, «aber ich habe es sowieso mit den Kelten.»

Da ist der Schritt zu esoterischen Parawissenschaften, der Geomantie und der Radiästhesie, nicht mehr weit: «Der Ort hier ist auch ein Kraftort», behauptet Edmund Kaspar. «Unter diesem Bienenkasten befindet sich eine Kreuzung von zwei Wasseradern.» Wie zum Beweis pendelt er kurzerhand die Hütte aus. Er habe den ganzen Platz entstört, darum sei seinen Bienen hier auch so wohl. Auch Kaspar ist es wohl hier, er verbringt viel Zeit auf diesem Fleckchen Erde und in seinem Imkerhäuschen: «Es ist mein Rückzugsort, und manchmal schlafe ich sogar hier.»

Edmund Kaspars Frau teilt weder seine Liebe zu Bienen noch seine Reiselust. So wird er im Herbst, wenn es ihn wieder einmal in sein Lieblingsland Marokko und in die Sahara zieht, alleine losfahren. Ob es dort im fernen Marokko auch Honig gebe? Ja, aber er sei sehr teuer. Probiert hat er ihn bis jetzt noch nie. Vielleicht dieses Mal.

Anzeige

Honigdressings fürs Sommer-Salatbuffet

Fruchtiges Dressing mit Waldhonig für gemischten Blattsalat

  • 1 Esslöffel weisser Balsamico
  • 1 Teelöffel Waldhonig
  • 2 Esslöffel mildes Olivenöl
  • 2 Esslöffel Orangensaft
  • frische Pfefferminze, fein gehackt
  • Maggikraut, fein gehackt
  • Salz und Pfeffer

Pikantes Dressing mit Kastanienhonig für Kartoffelsalat

  • 2 Esslöffel Nature-Joghurt
  • 1 Teelöffel Mayonnaise
  • 1 Esslöffel Kräuteressig
  • 2 Teelöffel Kastanienhonig
  • 1 schwacher Teelöffel Dijon-Senf
  • 1 Teelöffel Selleriesamen
  • 1 Frühlingszwiebel, fein gehackt
  • Salz und Pfeffer

Elegantes Dressing mit Blütenhonig für einen Salat aus verschiedenen gedämpften Gemüsen (Kohlrabi, Karotten, grüne Bohnen, Sellerie, Zucchini)

  • 3 Teelöffel Sherryessig
  • 1 Teelöffel Blütenhonig
  • 2 Esslöffel Walnussöl
  • 2 Teelöffel grober Senf
  • frischer Schnittlauch
  • Salz und Pfeffer; geröstete Sesamsamen über den Salat streuen