Bedingungen für den Kochtermin gabs bei Baschi fast keine. Nur diese: Der 18-Jährige bestand darauf, allein zu kochen. Denn nur wenn die Eltern aus dem Haus seien, habe er in der Küche genügend Handlungsspielraum. Die Idee, eine Oberbaselbieter Spezialität zu servieren, hat er zugunsten von Älplermagronen verworfen. Das ist keine ironische Anspielung an die heimatlichen Hügel der Juraausläufer, sondern eine Hommage an die Berge, in denen sich der leidenschaftliche Snowboarder immer wohl gefühlt hat.

Das ist Sebastian Bürgin, den die Zuschauer in der ersten «Music-Star»-Staffel als «Baschi» kennen lernten. Damals, bei seinen TV-Auftritten, hatte ich das Gefühl, es sei ihm alles, was um ihn herum passiert, ziemlich wurst. «So war es tatsächlich», sagt er im Nachhinein, gibt aber auch zu, dass sein Verhalten seine vorzeitige Abwahl möglicherweise beschleunigt hat.

Wir organisieren uns und versuchen den Ablauf der Arbeiten zu planen. Die Mise en Place soll später unnötige Hektik ersparen. Trotz dem guten Vorsatz legen wir ziemlich unkoordiniert los: Kartoffeln schälen, würfeln, kochen. «Welches Ende der Zwiebel darf man abschneiden, ohne dass sie auseinander fällt?», fragt Baschi und versucht sich zu erinnern, was er in der Kochschule gelernt hat.

Dann: Pfannen suchen, Schubladen nach einem Dosenöffner durchwühlen, den Backofen vorheizen. Baschi scheint im Übungsraum mehr zu Hause zu sein als in der Küche. Trotzdem: «Ich bin ein häuslicher Typ, auch wenn man mir das nicht gibt», sagt er. Im Ausgang treffe man ihn selten an. Schon eher gefalle ihm ein Nachtessen zu zweit, mit einem schönen Wein und einem Film ab DVD hinterher.

Baschi wird demnächst mit seiner Freundin Kathy, die er im Verlauf des «Music-Star»-Wettbewerbs kennen lernte, in eine Wohnung ziehen. Dass sie heute beim Mittagessen nicht dabei ist, hängt mit der Medienarbeit des Paares zusammen. Beide machen Musik, beide haben eben eine neue CD herausgegeben; da möchte man wenigstens, was das Marketing angeht, getrennte Wege gehen.

Grossmutters Kartoffelstock

Während die Teigwaren kochen, nascht Baschi immer wieder vom Reibkäse, der auf dem Küchentisch bereitsteht. «Probieren» nennt er das. Ist das der Grund, dass er in letzter Zeit offensichtlich Gewicht zugelegt (und unterdessen bereits wieder verloren) hat? «Ich weiss es nicht. Zur Zeit von ‹Music-Star› gab es Schlagzeilen, dass ich zu dünn sei. Das hatte wohl mit dem Stress zu tun. Und die zugelegten Pfunde, wie soll ich sagen, ich gehe halt gerne mal zu McDonald’s.»

Zudem habe Baschi, der früher regelmässig Fussball spielte, den Sport in letzter Zeit vernachlässigt. Wenn heute im Gästebuch seiner Homepage steht, man solle mal «cho verbiiluege uf der fc-site», dann ist damit nicht der Fussballklub gemeint, sondern der Fanklub.

Unterdessen sind Baschis Eltern, die im Dorf ein Coiffeurgeschäft betreiben, nach Hause gekommen. Auch Kathrin, die jüngere Schwester, ist hier. Monika Bürgin taucht schon mal in der Küche auf und begutachtet kritisch die sehr dunklen – um nicht zu sagen schwarzen – Zwiebelringe, die ihr Sohn gebraten hat.

Seine Mutter habe in der Küche gern experimentiert und immer gesund gekocht, erinnert sich Baschi. Sie erzählt, dass sie meist im Reformhaus oder im Dritte-Welt-Laden eingekauft habe: «Dass du heute so gesund bist, hat mich viel Geld gekostet!» Baschi: «Geschmeckt hats gut, auch wenn manchmal etwas viel Soja-Zeug drin war.»

Der Vater hingegen habe «eher 08/15» gekocht. «Einfach und währschaft.» Nach einem Lieblingsmenü aus seiner Kindheit befragt, erinnert sich Baschi aber vor allem an den sagenhaften Kartoffelstock seiner Grossmutter, serviert mit einem schönen Stück Fleisch.

Wenn Baschi selber am Herd steht, schlägt er der Mutter nach und probiert gerne Neues aus: «Vor kurzem habe ich mit einem Wok gekocht. Wunderbar!»

Der «Milchbart» hats allen gezeigt

Am Mittagstisch würdigt die Familie Baschis Menü. Die schwarzen Zwiebelringe sind kein Thema mehr – höchstens eine kleine Entschuldigung der Mutter: «Die schmecken gar nicht so schlecht!» Doch schon kommt der nächste Ratschlag: «Das Apfelmus hätte ich nicht aus der Dose genommen, sondern selber gemacht.»

Baschis Eltern stehen hinter ihrem Sohn, vor allem wenns um die Musik geht. Seine Begabung habe sich schon vor den Auftritten im Fernsehen gezeigt: «Als er, erst 15-jährig, Zuccheros ‹Baila› sang, begleitet von einem Schülerchor, strahlte er bereits eine unglaubliche Sicherheit aus.»

Als «Milchbart» und «Muttersöhnchen» hatte man Baschi noch vor einem Jahr bezeichnet. Doch der jüngste «Music-Star»-Teilnehmer ist heute der erfolgreichste. Seine CD verkauft sich besser als diejenigen von Mario, Piero oder Carmen. Was ihn glaubhaft und unverwechselbar macht, ist seine Authentizität. Will heissen: Wo Baschi draufsteht, ist auch Baschi drin.

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