Auf dem Plakat in der Küche sind Fläschchen abgebildet mit merkwürdigen Namen wie «Teufelsmischung» oder «Das Feuer der Hölle». Und auf der Postkarte mit der Einladung zu einer Buchvernissage ist ein Totenkopf abgebildet.

Ist das wirklich die Wohnung von Kinderfreund Boni Koller, der mit seiner Band Schtärneföifi seit Jahren mit viel Erfolg durch die Schweiz tourt und der mit Liedern wie «Heicho» oder «Hugo» Ohrwürmer schrieb, an denen auch die Erwachsenen Spass haben?

Ja, es ist seine Wohnung. Aber der 43-jährige, kleine, kräftige Musiker ist kein Monster, das sich fürs Makabre begeistert und heimlich okkulte Rituale abhält. Koller hat bloss eine Vorliebe für scharfes Essen. Die Teufelsfläschchen auf dem Plakat sind Chilimischungen aus einem Spezialitätenladen. Und das Skelett auf der Postkarte hat mit seinem soeben erschienenen Rätselbuch zu tun. Aber davon später.

Boni Koller ist einer, der oft nachts zu Hause arbeitet und es sich gern leistet, morgens lange zu schlafen. Um elf Uhr empfängt er uns mit den Worten: «Ich bin eben fertig geworden mit Aufstehen.»

«In gewissen Belangen» altmodisch


Einen Chüngel will Koller in die Pfanne geben. Ein währschaftes Mittagessen für einen, der von sich sagt, er gehe üblicherweise vom Frühstück direkt zum Zvieri über. Trotzdem: Man hat bei ihm den Eindruck, er sei einer vom Bau und esse bestimmt zwei Portionen von allem.

Ganz daneben ist diese Einschätzung nicht, hat er doch früher alle möglichen Berufe ausgeübt, die mit «Hilfs-» anfangen: Hilfsmaurer, Hilfsmagaziner, Hilfsdachdecker. Die körperliche Betätigung war ihm eine willkommene Abwechslung von seiner kreativen Tätigkeit. Da konnte er sich ablenken, um sich danach umso intensiver der Musik zu widmen.

In der Küche geht Koller zügig vor. Die Kaninchenteile sind im Nu gewürzt, im Mehl gedreht und angebraten. Das läuft alles schnell und doch ohne Hektik. Und dazwischen immer wieder aufräumen. Vor dem Rüsten breitet er eine Zeitung auf dem Tisch aus, so wie es die Grossmutter früher getan hat. Ein altmodischer Mensch? «In gewissen Belangen ja. Der Spruch, dass man kein Essen wegwerfen darf, sitzt bei mir tief. Darum verwerte ich möglichst viele Resten zu Zweitmahlzeiten.»

Aufgewachsen ist Boni Koller (der übrigens über keine Ecke verwandt mit mir ist) in Zürich-Wollishofen. Seine Mutter habe mit einem schmalen Budget möglichst gesund und abwechslungsreich gekocht, erinnert er sich. Exotische Speisen habe er in seiner Jugend nicht kennen gelernt. Erst im Gymnasium, als er mit Jugendlichen aus finanziell besser gestellten Familien zusammenkam, erfuhr er, dass Beefsteak Tatar rohes Fleisch ist und nichts mit Käse, also Tartare, zu tun hat, wie er immer geglaubt hatte.

Wo immer Koller auftritt, kommt meist irgendein Fan und spricht ihn auf die «Tubel Trophy» an, seinen Hit aus dem Jahr 1992. Nicht dass ihn das wahnsinnig ärgere, schliesslich habe er diesem Lied viel zu verdanken. Aber er bedaure es, wenn ihn die Leute nur auf dieses eine Stück reduzierten, wo er doch im Ganzen weit über 100 Songtexte geschrieben hat. Abgesehen davon war er Moderator bei DRS 3, wo seine schmirgelige Stimme jahrelang in der Sendung «Sounds!» zu hören war.

Wenn Boni Koller von sich spricht, dann tut er es mit einer gewissen Zurückhaltung. Dass er mal auf einem Frachtschiff als Matrose, pardon: Hilfsmatrose, gearbeitet hat, ist für ihn kein Grund, anzugeben. Das halbe Jahr auf hoher See sei so streng gewesen, dass es ihm wie zwei volle Jahre vorgekommen sei. Zudem sei er ab und zu seekrank geworden: «Das dispensierte einen aber nicht von der Arbeit. Besonders mühsam war es, anderen das Essen zu servieren, wenn einem selber speiübel war.»

Zurück zu unserem Chüngel, der auf festem Untergrund schmort. Boni Koller macht eine Polenta dazu, wird aber durch den Fotografen immer wieder vom Rühren abgelenkt. Ich springe ein, während Koller auf dem Balkon versucht, die Chilipflanze so zu halten, dass sie ihm nicht das Gesicht verdeckt.

Sammlung spezieller Kochbücher


Zum Essen tischt der Gastgeber zusätzliche Chilisaucen und Tabasco auf. Das pikante Menü schmeckt hervorragend – die Kinder jedoch, die Boni Koller üblicherweise zujubeln, würden ihm dafür kaum applaudieren. Auch seine beiden Söhne Max, 13, und Fidel, 15, mögen es lieber weniger scharf.

Während des Essens öffnet Koller für uns den Schrank mit seinen Kochbuchraritäten. Eines davon wurde während des Zweiten Weltkriegs als Leitfaden für Schweizer Hausfrauen herausgegeben. Titel: «So kochen wir gut, trotz Rationierung». Ein anderes versammelt Rezepte aus Kuba, wo «Schtärneföifi» vor fast zehn Jahren ihre erste CD aufnahm.

Der jüngste Erfolg von «Schtärneföifi» ist das Popmärli «Lampefieber», an dem Boni Koller und seine Band in den letzten Monaten intensiv gearbeitet haben. Zwischenzeitlich feiert er seine persönliche Buchpremiere. Das Büchlein (im CD-Format – typisch Musiker!) heisst «Was ist passiert?» und ist eine Sammlung von klassischen und selber erfundenen Rätselgeschichten, die mit Fantasie und Logik gelöst werden können. Ein Beispiel gefällig? «In einer Telefonzelle mit zerbrochenen Scheiben liegt ein Toter in seinem Blut. Vor der Telefonzelle liegt ein toter Fisch. Was ist passiert?» Lösung siehe Nebenartikel «Auflösung: Toter in der Telefonzelle».