Dass man auf alten Pfannen kochen lernt, kann und will dieser Mann nicht bestätigen. Wie würde er sonst sein Geld verdienen? Christof Gassner, Geschäftsführer von Kuhn Rikon, hat ohnehin schon Sorgen, paradoxerweise wegen der hohen Qualität seiner Produkte: «Es gibt Leute, die schreiben uns, sie seien seit 50 Jahren zufrieden mit ihrem Dampfkochtopf. Das ist schön, aber davon haben wir nicht gegessen.»

Das Traditionshaus, das sich lange Zeit auf die Produktion von Pfannen beschränkte, setze darum heute vermehrt auf modische Akzente und auf eine breitere Produktepalette, erzählt Gassner. Aber halt: Wir sind hier nicht in einem Verkaufsseminar, sondern wollen wissen, wie sich der Chef anstellt, wenn er in seinem Haus in Cham ZG selber am Herd steht.

Gassners Gattin Luzia ist mit von der Partie und achtet besonders auf die Mengen der Zutaten, die ihr Mann verwendet. «Er macht viel nach Gefühl, ist aber bisweilen sehr grosszügig - zum Beispiel bei der Zugabe von Alkohol.» So grosszügig, dass Gassners Töchter die Champagnernudeln nicht immer loben mochten.

Bei einem Glas Wasser auf der Terrasse erzählt Christof Gassner von der Herausforderung, sich heutzutage mit qualitativ hoch stehendem Kochgeschirr auf dem Markt zu behaupten: «Kuhn Rikon stellt seine Produkte im Tösstal her, das kostet halt etwas mehr.» Die Firma sei in einer ähnlichen Situation wie ein Dorflädeli: Alle möchten, dass es weiterlebt, obwohl die wenigsten dort einkaufen.

Um konkurrenzfähig zu bleiben, kommt die Firma deshalb nicht darum herum, einige Produkte im Fernen Osten zu produzieren. Aber gerade China ist bei Kuhn Rikon ein sensibles Thema, denn man beschäftigt in der Schweiz 20 Prozent Tibeter. Die Gebrüder Kuhn hatten in den sechziger Jahren für die tibetischen Flüchtlinge, die in die Schweiz kamen, in Rikon Arbeitsplätze und Firmenwohnungen zur Verfügung gestellt. Später gründeten sie dort das Tibet-Institut.

Nun entschliessen wir uns doch noch für ein Glas Champagner vor dem Rüsten, umso mehr, als dadurch weniger für die Nudeln übrig bleibt. Ich lobe die flachen Moscato-Gläser, womit ich bei Luzia Gassner punkte: «Mein Mann wollte sie loswerden. Aber in Zukunft werde ich mich immer auf Sie berufen.»

Das Rezept der Champagnernudeln mit Rauchlachs, die Christof Gassner auftischen will, stammt aus einem Kochbuch, das speziell für die neue Pfannenlinie von Kuhn Rikon herausgegeben wurde. In den so genannten Hotpans kocht man auf dem Herd vor, was später im Zweikammernsystem nachgart. Ich will jedoch das Rezept so formulieren, dass auch Leute, die keine solchen Pfannen haben, das Gericht nachkochen können. Gassner gibt schliesslich nach. Seine Frau lobt die Qualitäten des Gerichts als All-in-one-Mahlzeit: «Es ist ein praktisches Mittagessen, weil alles dabei ist: die Kohlenhydrate der Teigwaren, das Eiweiss des Fischs, die Vitamine des Gemüses. Da braucht es keinen Salat dazu.»

Während des Schneidens von Lauch und Lachs erzählt Christof Gassner von seinem Werdegang. Der ausgebildete Ökonom war früher bei der Automatenfirma Selecta angestellt. «Der Unterschied zwischen den beiden Firmen besteht darin, dass die Bemerkungen von Kollegen über meinen Arbeitgeber heute wohlwollender sind.» Wie um niemandem zu nahe zu treten, ergänzt er: «Aber der Automatenkaffee ist in den letzten Jahren viel besser geworden.» Christof Gassner bezeichnet sich selber als Betty-Bossi-Koch: «Während der Studentenzeit war Coq au vin eines meiner Standardrezepte, weniger wegen des Güggels als wegen des Flambierens. Das war immer eine Show.» Zudem sei er kein Meister der Mehrgänger. Mise-en-place und strukturierte Abläufe beherrsche er wenig. «Es ist wiederholt vorgekommen, dass ich, wenn die Gäste schon gegangen waren, gemerkt habe, dass ich die Birnen zum Käse vergessen hatte.»

Beim Würzen ein sicheres Händchen
Bei der Familie Gassner sind die Sonntage als Kochtage reserviert. Der Manager, der während der Arbeitswoche in Rikon lebt, freut sich, wenn am Wochenende die ganze Familie zusammenkommt und er mit seiner Frau und seinen drei erwachsenen Töchtern und deren Freunden am Tisch sitzen kann. Zudem sei der samstägliche Gang auf den Markt nach Luzern «wie zwei Stunden Ferien».

Aufgewachsen ist Christof Gassner in einem Haushalt mit neun Personen. Die Rollen waren klassisch verteilt: «Im Alltag kochte die Mutter, während der Vater ein leidenschaftlicher Hobbykoch war.» Sind das nicht jene Männer, die - selten, aber leidenschaftlich - mit der grossen Kelle anrichten, das Chaos aber hinterher lieber anderen überlassen? Meine Frage bleibt als kleine Provokation im Raum stehen. Gassner erinnert sich an ein bestimmtes Gericht, das es früher vor allem zum Frühstück gab: «Eine grosse Schüssel Haferflocken mit einem Hütchen aus Zucker obendrauf, serviert mit heisser Milch.»

Wir lüpfen den Deckel der kuhnschen Wunderpfanne und sind gespannt, was aus Nudeln, Lauch und Lachs geworden ist. Aussehen tut der Eintopf tadellos. Und er schmeckt auch, obwohl Christof Gassner warnt, er habe nach dem Würzen nicht probiert. Das Gericht ist gelungen, und der Anteil des Champagners hält sich in Grenzen. Er fügt sich unaufdringlich in die Geschmacksmischung ein.