Der Weg zum Haus führt durch ein Tiergehege. Der Besucher muss am Gartentor warten, bis die Hunde eingesperrt sind, da der Hof ihr Revier ist. Erst dann kann er sich dem Haus nähern. Die Tiere werden danach selbstverständlich wieder freigelassen.

Der Alltag mit Hunden, aber auch mit Schafen, Eseln und Hühnern ist für Antonia Limacher und Peter Freiburghaus – landläufig bekannt als Duo Fischbach – zur Leidenschaft geworden. Oberhalb von Vitznau, hoch über dem Vierwaldstättersee, haben sie ein Bauernhaus gekauft, wo sie ihr anderes Leben führen, weit weg von Stadt und Rummel, von Bühne und Publikum. «Zum Glück haben wir liebe Nachbarn, die einspringen, wenn wir Auftritte haben. Sonst ginge es nicht», sagt Peter.

Eine der lieben Nachbarinnen müsse unbedingt erwähnt werden. Rita Imfanger habe nämlich die Früchte spendiert, aus denen wir die Nachspeise machen werden, benannt nach der speziellen klimatischen Situation des Ortes: «Feigendessert Rigi-Süd». «Hiub» sei es hier – mild –, erklärt Peter Freiburghaus. Die Vegetation profitiere öfter von einer Föhnlage, die wachsen lasse, was rundherum kaum gedeihe. In Vitznau stünden sogar Bananenpalmen.

Ein Hund, der den Garten plündert
Zum Hauptgang gibt es Älplermagronen – oder besser: Voralpenmagronen – und dazu Eigengewächs aus dem Garten: Zucchetti, Bohnen und Tomaten. Antonia muss, bevor sie Tomaten ernten kann, das Gitter entfernen. Es war notwendig geworden, weil einer der Hunde Gemüse über ­alles liebt. Auch das dazugehörige Kräuterbouquet ist frisch gepflückt: Thymian, ­Majoran, Bohnenkraut und Pfefferminze.

Wir rüsten draussen, kochen aber drinnen. In der kleinen Küche hat es kaum Platz für mehr als zwei Leute. Freiburghaus und Limacher jonglieren die Pfannen aneinander vorbei, als seien sie in der Probe für eine neue Nummer. Peter, der als Bub davon träumte, Schiffskoch zu werden («Zur Not hätte ichs auch in einem Speisewagen gemacht»), hat keine Mühe mit der Enge. Antonia, die gern allein in der Küche steht, hätte es lieber ruhiger: «Mir redet normalerweise keiner drein.»

Im Privatleben legen Antonia Limacher und Peter Freiburghaus ihre Bühnenpersönlichkeiten ab. Gibts mal eine kleine Meinungsverschiedenheit, mahnt sie ihn mit ironischem Unterton: «Gell, wir sind jetzt Limacher-Freiburghaus, nicht Fischbachs!» Kaum vorstellbar, wie es diese liebenswürdige Frau schafft, sich in die bärbeissige Lilian Fischbach zu verwandeln.

«Der Rest ist privat»
Auch den Ernst Fischbach entdeckt man kaum in Peter Freiburghaus. Freundlich-heiter zeigt er auf die Berge der Umgebung: «Dort ist das Buochserhorn, dahinter siehst du das Stanserhorn, der Rest ist privat.» Eingestreute Pointen als Fingerübungen für die Bühnenarbeit. «Wir haben Gemüse fürs Mittagessen vorgesehen. Aber wir können auch Fleisch kochen. Wir müssten einfach ein Huhn einfangen und ihm den Hals umdrehen.» Antonia protestiert. Bei den Tieren hört für sie der Spass auf.

Zu Freiburghaus-Limachers Kleinzoo gehören auch zwei Esel, zwei Ziegen, zwei Schafe und ein Pony. «Die Verteilung 2-2-2-1 ist wie die Zauberformel im Bundesrat. Aber bei uns ist der Frauenanteil höher», sagt Antonia. Es sind übrigens keine Nutztiere, die hier gehalten werden. Es wird ­weder gemolken noch geschlachtet. «Wir haben die Tiere einfach so, weil wir sie gern haben. Einige haben wir gerettet, weil sie sonst ‹entsorgt› worden wären.»

Die kulinarischen Vorlieben des Paares haben sich mit dem Umzug aufs Land, aber auch durch ihre Arbeit verändert. Als sie noch zu «Harul’s Top Service» gehörten, der Truppe der schrägen Kellner, hatten sie Gelegenheit, an vielen Orten sehr gut zu essen. Und Peter sei vor Jahren sogar nach Crissier zu Fredy Girardet gepilgert, um die exquisite Küche des dekorierten Meisterkochs zu testen. Heute sei es anders: Durch die Reduktion des Angebots habe man gelernt, Einfaches zu geniessen. Nach einer Fastenkur mit sieben Tagen Tee und Bouillon habe der erste Apfel himmlisch geschmeckt.

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Nur zwei Mahlzeiten pro Tag
Ihren Essrhythmus haben die Künstler der Arbeit angepasst. «Wir gönnen uns ein ausgiebiges Frühstück und essen mitten im Nachmittag zum zweiten Mal. Mehr nicht.» Dadurch habe man zum Zeitpunkt der Aufführung bereits verdaut und sei wieder fit. Die späten Nachtessen nach den Vorstellungen haben die beiden längst gestrichen. Mit vollem Magen ins Bett zu gehen sei schlecht bekömmlich.

Wir setzen uns zum Essen unter die Pergola, an der pralle Americano-Trauben hängen. So genannte «Chatzeseicherli», wie sie wegen ihres speziellen Geschmacks auch genannt werden. Daneben blüht eine Trichterwinde. Antonia pflückt eine der ­violetten Blüten, um damit den Teller mit den Voralpenmagronen zu schmücken.

Zum Mittagessen gibts ein Glas Rotwein. Antonia geniesst, Peter verzichtet. Er trinke seit längerer Zeit keinen Alkohol mehr, sagt er. Er habe gemerkt, dass er ihm nicht gut tue. Der Verzicht sei ihm nicht schwer gefallen. Das Dessert, das Grand Marnier enthält, schmeckt ihm trotzdem. Mir übrigens auch.