Es war einmal eine Zeit, da war Hugo Fasel, Freiburger Nationalrat der Christlichsozialen Partei, hauptamtlicher Hausmann. Er erledigte die ihm aufgetragenen Aufgaben zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligten. Die Nachbarn aber hatten mit ihm dermassen Mitleid, dass sie ihn öfters zum Essen einluden, wenn seine Frau abwesend war.

Seit einigen Jahren ist Fasel hauptamtlicher Präsident des Gewerkschaftsdachverbands Travail.Suisse. Zudem hat er einige andere Ämter inne, die ihn zeitlich stark in Anspruch nehmen. Zu Hause glänzt er oft durch Abwesenheit.

Hugo Fasels Job in der Küche hat sich gewandelt. Er amtet nun häufiger als Casserolier («vorbereiten, zudienen, aufräumen»). Doch heute muss er wieder als Koch ran, ein gewisser Erfolgsdruck ist nicht von der Hand zu weisen. Den Pilaw (gesprochen Pilau) geht er anfänglich mit einigen Verlegenheitslachern an. Er verteilt Arbeiten und ist froh um den Handwerker, der ihm zur Seite steht. Die Zubereitung des hausgemachten Fruchtsalats wird ausgesourct und mir überlassen.

Hugo Fasel hat dieses Jahr einen runden Geburtstag vor sich: Er wird 50 Jahre alt. Tatsächlich hätte ich ihn spontan um einiges jünger geschätzt. Vielleicht liegt es am Seehundschnauz, vielleicht aber auch am verschmitzten Lachen oder seiner entwaffnenden Offenheit: Da hat sich ein Mann im besten Alter etwas jugendlich Unbeschwertes bewahrt.

Wenn Hugo Fasel über seine Arbeit redet, wird er sofort ein paar Grad ernster. Wenn von den Arbeitnehmern Flexibilität gefordert werde, sei dies ein Etikettenschwindel: «Die einzige Flexibilität, die zählt, ist diejenige, die der Firma dient», stellt er nüchtern fest. Wenn von sozialer Verantwortung die Rede sei, sehne er manchmal den klassischen Patron zurück: «Der hatte einen Namen und ein Gesicht. Die Angestellten kannten ihn. Er legte Reserven an und verliess das Schiff nicht, wenn es mal etwas ins Schlingern geriet.»

Hören, was die Leute bewegt
Der Fast-Fünfziger teilt seine Aufgaben in zwei Bereiche: Einerseits sucht er den direkten Kontakt mit den Leuten und möchte hören, was sie bewegt. Anderseits muss er Probleme analysieren und Lösungen präsentieren. Fasel setzt dabei gerne auf griffige Ideen. Im Projekt «Ritec» sind in Düdingen Ausgesteuerte und Sozialhilfeempfänger beschäftigt. Der Name sei keine Abkürzung, wie man vielleicht meinen könnte, sondern solle wie der einer Firma tönen. Fasel: «Wenn ein Arbeitsloser sagen kann, er arbeite bei Ritec, muss er sich nicht schämen, denn man geht davon aus, dass er einen Job hat.»

«Einkaufen ist wie ein Coming-out»
Neben seinem Engagement für Arbeitnehmer und sozial Benachteiligte beruft sich Hugo Fasel auf Nietzsche und reklamiert für sich das Recht auf Faulheit. «Wir sind alle unterwegs auf der Autobahn, meistens auf der Überholspur. Da muss es doch auch mal eine Raststätte geben, wo man sich ausruhen kann.» Wenn er am gleichen Abend zwischen drei Terminen auswählen müsse, entscheide er sich manchmal für den vierten und bleibe zu Hause.

Fasels leben etwas ausserhalb von Freiburg in einem Einfamilienhausquartier auf dem Land. Draussen vor der Küche steht der Kübel mit den kompostierbaren Küchenabfällen. Ist Fasel, der zur grünen Fraktion gehört, tatsächlich ein Grüner? Die philosophische Antwort ist nichts anderes als ein umständlich formuliertes Jein: «Unsere Gesellschaft basiert auf den vier Eckpfeilern Solidarität, Partizipation, Ökologie und Ökonomie. Da möchte ich nicht ausschliesslich einem einzigen dieser Werte nachjagen.»

Beim Einkaufen schaue er durchaus auf Öko-Labels und auf die Herkunft der Waren. Aber er gehe vor allem wegen der Menschen gerne einkaufen. Da könne er direkt beobachten, wie sich die Leute verhalten: «Einkaufen ist für viele ein Coming-out. Wenn jemand von jedem einzelnen Artikel den Preis studiert, sagt das mehr aus als manche soziale Studie.»

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Bewerbung als Kellner
Wir waren eigentlich am Kochen. Genau: Wo liegt denn wieder das Rezeptbuch? Als ob er heimlich schummeln wollte, öffnet Hugo Fasel eine Schublade, worin es aufgeschlagen liegt. Der Pilaw riecht gut, bisher scheint nichts falsch gelaufen zu sein. Trotzdem bevorzugt es Fasel, wenn sich die drei Frauen der Familie um die Küche kümmern: «Unsere beiden Töchter haben je ein Auslandsjahr in Ecuador hinter sich. Da haben sie nicht nur hübsche Männer kennen gelernt, sondern auch die eine oder andere lateinamerikanische Spezialität.»

Sonja Fasel, die gelernte Hebamme, hatte übrigens Pläne, ein Café zu eröffnen. Die Wirteprüfung habe sie bereits bestanden, sagt sie, aber ein geeignetes Lokal zu finden sei schwieriger, als sie gedacht habe. Hugo Fasel hat sich über die neue Perspektive gefreut. «Ich habe mich bei Sonja bereits als Kellner beworben. Aber leider ist bis jetzt nichts daraus geworden.»

Hugo Fasel sitzt mit uns am Tisch zum Mittagessen. Das Menü ist gelungen, der Stress vorbei. Einmal mehr bestätigt sich seine These, wonach die theoretische Arbeit oft unbefriedigend sei: «Man hirnt wochenlang an einem Problem, hält Sitzungen ab und formuliert Papiere. In der Küche sieht man nach nur einer Stunde Arbeit bereits ein Resultat.»

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Rezept

Zutaten für 4 Personen: 400 Gramm geschnetzeltes Rindfleisch, 2 kleine Zwiebeln, 2 Knoblauchzehen (beide fein gehackt), 2 Esslöffel Tomatenpüree, zirka 7 Deziliter Bouillon, Salz, Pfeffer, Paprika, Rosmarin, 200 Gramm Vialone-Reis, 8 Esslöffel Reibkäse, Öl

Zubereitung: Das Fleisch in der heissen Pfanne mit Öl anbraten. Knoblauch und Zwiebeln beifügen, Hitze reduzieren. Unter Rühren dünsten. Tomatenpüree zugeben und mischen. Mit 2,5 Deziliter Bouillon ablöschen und mit den Gewürzen abschmecken. Auf kleiner Hitze eine Stunde schmoren lassen. 20 Minuten vor Schluss den Reis und die restliche Bouillon zugeben, unter Rühren mitkochen. Vor dem Anrichten Reibkäse darunter mischen. Mit Salat servieren.

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