«Als Geschäftsführerin bin ich es gewohnt, Aufträge ganzheitlich zu vergeben. Du darfst den Salat machen, hier sind die Zutaten und das Rezept.» So eröffnet Jacqueline Bachmann, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, unsere gemeinsame Arbeit in der Küche. Dann kommt gleich die Kontrollfrage: «Wie lange brauchst du ungefähr?»

Ich bin also, kaum angekommen, gefordert, muss mir einen Überblick verschaffen und ein Zeitbudget erstellen. Was nach militärischem Führungsstil aussieht, ist in Wirklichkeit halb so streng. Ich merke bald, dass man mit Jacqueline Bachmann in der Küche viel Spass haben kann.

Ayurveda heisst das Zauberwort, nach welchem Jacqueline Bachmann ihre Menüs zusammenstellt. Der altindische Begriff bedeutet «Wissen vom Leben» und steht nicht etwa für eine Diät, sondern für ein Gesundheitssystem, das sowohl die körperlichen wie auch die geistig spirituellen Aspekte des Menschen berücksichtigt.

Wie zum Beweis steht Jacqueline Bachmann öfter nur auf einem Bein. Sie hebt einen Fuss und klemmt ihn an die Innenseite des anderen Oberschenkels. Die Figur heisst «Der Baum». Das scheint die Frau dem englischen Rockmusiker Ian Anderson abgeschaut zu haben, nur dass sie dabei nicht Flöte spielt, sondern Zwiebeln schnetzelt.

Jacqueline Bachmann wohnt seit vier Jahren mit ihrer Lebenspartnerin in der modernen Wohnung im Berner Altenbergquartier, unmittelbar neben dem Botanischen Garten, mit Blick auf die Aare. «Im Sommer machen wir ein paar Schritte, und wir sind im Wasser», sagt die ehemalige Wettkampfschwimmerin. Und in wenigen Minuten sei sie zu Fuss im Büro.

Die oberste Schweizer Konsumentenschützerin ist seit fünf Jahren im Amt. In ihrer politischen Arbeit ist sie zwar kämpferisch und konsequent, aber privat nicht immer «politisch korrekt»: Lustvoll berichtete sie in Interviews von Ferienreisen mit dem Flugzeug oder vom Konsum australischer Rotweine. Jacqueline Bachmann konnte sich trotz diesen Lässigkeiten Respekt verschaffen.

Damit hängt auch zusammen, dass sie die Konsumenten nicht immer nur schützt, sondern auch mal kritisiert: «Ich wünschte mir, die Leute würden vermehrt Verantwortung übernehmen und für sich klare Werte und Normen definieren.» Wer sich darüber beklage, dass Biofleisch teurer sei als anderes, müsse sich überlegen, ob es nicht sinnvoller wäre, weniger oft Fleisch zu essen und sich dafür für die bessere Qualität zu entscheiden.

«Das Beste war für den Vater»
Wir stehen am Herd, je mit einer Bratpfanne beschäftigt, und üben uns in der Disziplin Synchronkochen. Während in der Pfanne so exotische Gewürze wie Ajwain oder Asafoetida brutzeln, dreht sich das Gespräch um Jacqueline Bachmanns Kindheit. Die Familie habe mit einem schmalen Budget gelebt, das Essen sei aber immer wichtig gewesen. Und es gab eine unausgesprochene Regel: «Das Beste war für den Vater reserviert.» Jacqueline und ihre jüngere Schwester hatten das Nachsehen. Gegen Ende Monat schliesslich musste die Mutter jeweils wegen akuten Geldmangels erfinderisch werden. Da gab es auch mal ein «Büezer-Cordon bleu» – mit Cervelat anstatt mit einem Schnitzel. Der Vater hingegen war zuständig für besondere Kreationen, die er, wenn er sie mal beherrschte, gerne wiederholte: «Seine mit Hackfleisch gefüllten Tomaten tischte er uns etwa ein Jahr lang immer wieder auf.»

Jacqueline Bachmann hielt sich als Erwachsene vorerst an die Rezepte der Mutter. Später kam Betty Bossi ins Spiel. Als die junge Sozialarbeiterin zwei Jahre durch Asien reiste, verabschiedete sie sich von alten Gewohnheiten.

Heute sei das Kochen das Einzige, wofür sie neben ihrer Arbeit Zeit und Energie aufwende: «Wenn ich Gäste einlade, stehe ich gerne in der Küche, und zwar stundenlang und allein.» Dass ich heute neben ihr kochen darf, ist offenbar als grosse Ausnahme zu werten.

Das Timing hat geklappt – und der Zeitaufwand hat sich gelohnt. Die Saucen ayurvedischer Art sind aufwändiger als solche, die aus dem Beutel kommen. Aber auch um Welten besser. Der Zusatzeffort ist für Jacqueline Bachmann selbstverständlich: «Fürs Kochen und fürs Essen sollte man sich Zeit nehmen.»