Sie kommt von einem Arzttermin und wird anschliessend zu einem Meeting fahren. Meine gemeinsamen Stunden mit Karina Berger sind also knapp bemessen. Die ehemalige Miss Schweiz und heutige Organisatorin der Miss-Schweiz-Wahlen nutzt die Zeit optimal: Sie geht in der Küche mit einer Mischung aus zielgerichteter Effizienz und lustvoller Lockerheit an die Arbeit.

Karina Berger präsentiert eine Auswahl spanischer Rezepte. Eines davon stammt aus ihrem Lieblingslokal in Barcelona, der Geburtsstadt ihrer Mutter. Die anderen hat sie von Hand stichwortartig in ein Notizbuch geschrieben – kulinarische Überlieferungen aus der Familie.

Zur Vorspeise werden wir eine kühle Gazpacho zubereiten, als Hauptgang stehen gefüllte Auberginen auf dem Menü. Aber zuerst gibt es etwas zu trinken: «Ein Glas Weisswein? Ich nehme zum Kochen immer ein Glas.» Wenn man so gefragt wird, kann man schlecht Nein sagen.

Eine Tageszeitung aus der Romandie bezeichnete Karina Berger einmal als «sergent-major», als Feldweibel, der die angehenden Missen drillt und herumkommandiert. Auf ihren offenbar zackigen Führungsstil angesprochen, antwortet Berger: «Vielleicht bin ich ein Feldweibel – aber ein lieber.» Und sie ergänzt: «Wenn du in einer Woche mit lauter Laien eine Show wie die Miss-Schweiz-Wahl auf die Beine stellen willst, musst du die Zügel fest in der Hand halten. Anders geht es nicht.»

Die Liebe führte sie an den Herd

In der Küche ist vom Kasernenton nicht viel zu spüren. Karina Berger bietet Fuet an, eine spanische Salami, von der sie beim Rüsten ab und zu eine Scheibe pickt. Sie erzählt vom Mittagstisch, an dem sie als Kind stundenlang sitzen bleiben musste – bis sie alles ausgegessen hatte. Dabei interessierte sich Karina Berger nicht speziell fürs Essen, obwohl die Mutter gut und gerne kochte und oft Gäste einlud.

Das Kochhandwerk lernte Karina Berger erst, als sie einen elsässischen Freund hatte, der sie kulinarisch verwöhnte: «Ich fand es peinlich, dass ich nicht mithalten konnte, und wollte das Versäumte nachholen.» Heute bewegt sie sich in der Küche mit grosser Sicherheit. Vieles misst sie Handgelenk mal Pi ab, ins Kochbuch schielt sie nur selten.

Bei der kalten Tomatensuppe verzichtet Karina Berger auf Peperoni – «weil sie aufstossen». Dafür kommt ein Schuss Essig dazu, der dem Gericht eine leichte Säure geben soll. Ich fasse den Auftrag, die Auberginen auszuhöhlen. Das Fruchtfleisch wird gewürzt und gedämpft, dann wieder in die Aubergine hineingegeben und überbacken.

Die Küche im Haus in Zollikon haben Karina Berger und ihr Mann vor kurzem umgebaut. Aus einem kleinen abgeschlossenen Raum wurde eine offene Wohnküche, von der aus die Köchin Kontakt zu den Gästen hat. Stolz ist sie auf den versenkbaren Dampfabzug – «mein Spielzeug». Zudem legte sie viel Wert auf die Dimension des Kühlschranks: Er konnte nicht gross genug sein. Wegen eines kleinen Kühlgeräts in einer früheren Wohnung musste sich Berger von einer Freundin, einer ehemaligen Miss Venezuela, auslachen lassen. «Ist das ein Witz?», fragte sie, als sie das Gerät von der Grösse einer Minibar öffnete.

Auch ihr Job: Driving Miss Schweiz

Vor 17 Jahren war Karina Berger Miss Schweiz. Seither steht die heute 37-Jährige nur noch selten im Rampenlicht. Vermisst sie die Auftritte und den Applaus? «Nicht wirklich. Aber ich geniesse es trotzdem, ab und zu selber aufzutreten, vorausgesetzt, die Situation stimmt für mich. Sonst stehe ich lieber hinter der Kulisse und organisiere.» Unterdessen steht bereits die elfjährige Tochter Noemi vor der Kamera. Dass sie deswegen die Nachfolgerin der Mutter wäre, hört sie allerdings nicht gern.

Die Arbeit mit den Missen beschränkt sich für Karina Berger nicht auf die Organisation der jährlichen Wahl. Zurzeit ist sie Betreuerin und auch Chauffeuse der neuen Miss Schweiz, Lauriane Gilliéron, die noch keinen Führerschein hat.

Die öffentliche Diskussion, ob die neue Miss Schweiz ein bisschen zu schlank sei oder bereits magersüchtig, hat Karina Berger geärgert. «Alles wird heute über den Body-Mass-Index definiert, das ist absurd. Dieser ist zwar ein Indikator, aber im Einzelfall nicht die einzige ausschlaggebende Information über den Gesundheitszustand eines Menschen.»

Die frühere Schönheitskönigin sagt, sie selber habe in all den Jahren mindestens fünf Kilo zugenommen. Das hat ihr offensichtlich nicht geschadet – sie hat immer noch eine gute Figur. «Dafür kann ich aber nichts, denn ich esse gut und gerne.» Vielleicht hat eine spezielle Abneigung geholfen, die sie seit ihrer Kindheit hat. Karina Berger kann kein Fett essen: «Ich habe es mehrmals versucht, aber es geht nicht. Es lüpft mich!»

Wir sitzen am Mittagstisch und freuen uns über Gazpacho und Auberginen. Die Teller sind reichlich gefüllt. Karina Berger ist keine von der Sorte, die mit spitzen Fingern Miniportionen zum Mund führt. Eher entsteht der Eindruck einer Geniesserin, die mit Appetit isst. Die gefüllten Auberginen sind für sie – und das kann ich zu hundert Prozent bestätigen – «der Hammer». Mit Ausrufezeichen!

Quelle: Niklaus Spoerri
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