Noch keine zwei Minuten bin ich bei Maja Brunner, und wir reden bereits über Musik. Ihr Lieblingsrhythmus sei der Shuffle, sagt sie, weil er so schön groove. Einen Rhythmus zu beschreiben ist aber so schwierig, wie den Geruch von frischem Rucola in Worte zu fassen. Es muss also ein Beispiel her: Shuffle ist jenes halb treibende, halb schlurfende Vorwärtsgefühl, das uns Louis Prima im berühmten Song «I’m Just A Gigolo» vermittelt.

Maja Brunner, Jazz- und Schlagersängerin sowie Schauspielerin, wohnt seit 13 Jahren in Schindellegi, dem Schwyzer Steuerparadies am oberen Zürichsee. Ihre Wohnung liegt direkt beim viel befahrenen Kreisel vor dem Tunnel nach Einsiedeln. Dafür bietet sie eine traumhafte Weitsicht. Das sei der wichtigste Vorteil, den eine grosse Kreuzung vor dem Haus mit sich bringe, sagt sie: «Da können sie dir wenigstens keine Überbauung vor die Nase stellen. Mir ist es wichtig, den See zu sehen.»

Fürs Mittagessen sind Teigwaren an einer Champignonsauce vorgesehen, gewürzt mit frischen Kräutern. Maja Brunner fragt, ob es mir etwas ausmache, dass kein Fleisch dabei sei. Sie sei Vegetarierin, nicht aus ethischen Gründen, sondern weil sie es nicht gern habe. Ihr Fleischkonsum sei nach und nach auf null zurückgegangen.

Während der Küchenarbeit unterhalten wir uns über Maja Brunners Wahlheimat. «Hier war früher der Start der Schulreise auf den Etzel», erinnert sie sich. Aufgewachsen ist sie in Küsnacht, auf der anderen Seite des Zürichsees. Sie und ihr Bruder Carlo leben auch heute kaum einen Kilometer voneinander entfernt. Die Nähe ist den beiden wichtig – nicht nur im Beruf.

Musikalisch bietet Maja Brunner Bestseller, die sie, mit sicherer Stimme und feinem Gespür für Stimmungen, publikumswirksam interpretiert. Kulinarisch hat sie hingegen eigenwillige Vorlieben.

Sie ist beispielsweise ein bekennender Grissini-Fan. Die original dünnen Italienischen haben es ihr angetan.

Ihre wahre Liebe gilt aber den Zitronen. Die sind in der Wohnung nicht zu übersehen, dekorativ hergerichtet in verschiedenen Schalen. Jeden Morgen trinkt Maja Brunner den ausgepressten Saft einer Zitrone mit warmem Wasser und Honig. Und tagsüber trinkt sie Ingwerwasser. Obwohl sie, wie sie gesteht, Ingwer eigentlich gar nie mochte.

Ein Leben rund um den See


Brunner hat das Entertainment im Blut. Wenn sie mal nicht selber auftritt, fiebert sie mit, im Saal oder am Bildschirm. Beim letzten Eurosong-Contest habe sie sogar telefonisch ihre Stimme abgegeben – für Serbien, wie sie etwas verlegen gesteht: «Wegen der schönen Stimme des Sängers.»

Im Herbst kommt Maja Brunners zweite Sammlung italienischer Schlager der fünfziger und sechziger Jahre heraus. Ihre aus dem Veltlin stammende Mutter hat sich sehr gefreut, als Majas erste CD dieser Art herauskam. Den neapolitanischen Originaldialekt einiger Lieder musste die Tochter aber ausserhalb der Familie lernen. Ein Freund half ihr, die richtigen Betonungen zu finden.

Wöchentlich präsentiert sie eine Schlagersendung bei Radio Eviva. Am liebsten aber steht sie auf der Bühne. Mal an einer Gala mit einer kompletten Big Band, vor der sie sich fühlte wie Ella Fitzgerald persönlich, mal in einem Festzelt, bei Bier und Bratwurst. Darüber, dass ihr ihre Kritiker deswegen eine Nähe zur SVP unterstellten, schüttelt Maja Brunner den Kopf. Sie wehrt sich: «Mein Publikum ist so vielfältig, dass man es nicht in einer Partei zusammenfassen kann. Und ich selber lasse mich sowieso nicht festlegen.»

Maja Brunner ist heute besser im Geschäft als viele, die halb so alt sind wie sie. Das Schweizer Fernsehen widmete ihr eine 45-minütige Sendung, in der sie sich selbst eine Band zusammenstellen konnte und singen konnte, was immer sie wollte. Und dies ohne besonderen Anlass: kein runder Geburtstag, kein Jubiläum weit und breit.

Bewusster Umgang mit dem Essen


Nun ist es aber nicht so, dass das Alter bei der 53-jährigen Maja Brunner kein Thema wäre. «Ich spüre, dass ich älter werde», gibt sie zu, sucht aber schnell nach einer Pointe: «Wenn ich im Supermarkt plötzlich Pfannenmärkli zu sammeln beginne, obwohl ich immer sagte: ‹Gaats no?›, merke ich, dass es um mich geschehen ist.» Und schon folgt einer ihrer berühmten Lacher, dass die Wände wackeln.

Beim Gespräch über die Ernährung kommt auch Maja Brunners Kindheit zur Sprache. Lange Jahre war sie übergewichtig. Veranlagung plus Süssigkeiten mögen die Ursachen gewesen sein. Doch als junge Frau verabschiedete sie sich für immer von ihren Pfunden. Dass sie ihr Gewicht bis heute halten konnte, verdankt sie dem konsequenten Verzicht auf alles, was anhängt. Grundsätzlich versucht sie, sich ganzheitlich und ausgewogen nach ayurvedischen Prinzipien zu ernähren.

Einen Pastateller wie heute isst Maja Brunner am Mittag selten. Prompt hat es noch Reste. Die Menge war auch eher für Zügelmänner gedacht als für uns. «Macht nichts», sagt sie, «die bekommt mein Freund Philipp aufgewärmt zum Znacht.»

Nach dem Essen trinken wir einen Espresso. Den würzt Maja Brunner mit Kardamom, so dass er riecht wie flüssiger Lebkuchen. «Das nimmt ihm die Säure», sagt sie. Eigenwillig, tatsächlich.

Quelle: Niklaus Spoerri