Eine der ersten Begegnungen mit ihm, sie muss wohl 15 Jahre zurückliegen, läuft bei mir heute noch wie ein Film ab: Ich stand mit Kollegen auf einer Wiese, als Marco Rima mit seinem Velo heranfuhr. Zu unserer Überraschung inszenierte er vor unseren Füssen eine slapstickartige Bauchlandung. Kaum hingefallen, war er schon wieder auf den Beinen und schimpfte lauthals: «Wer war das?» Eine Sekunde später wechselte er auf freundlich und begrüsste uns mit Handschlag. Die Herumstehenden brüllten vor Lachen.

Marco Rima in seiner Dachwohnung am Ufer des Ägerisees. Er bietet Kaffee an. Wir reden über Geld und Erfolg. «Oft fragen mich Leute mit wissendem Lächeln, wo ich meine Millionen versteckt hätte», erzählt er. Die Wahrheit sei, dass er sein Geld immer wieder in neue Projekte investiert habe, wie ins neue Soloprogramm «No Limits», das er im Februar in Zug und Baden und später in anderen Städten in der Schweiz und in Deutschland spielt.

Auch zu Hause spielt Rima Comedy

Die grosse Wohnung sei nur gemietet, sagt Rima. «Aber wo war ich stehen geblieben? Ach ja, der Kaffee!» Die Tasse in der Hand, beginnt Rima zu philosophieren – über den Stellenwert des Erfolgs und das Verhältnis zu Kollegen: «Ich gönne jedem sein Publikum. Wenn etwas gut läuft, profitieren letztlich alle.» Trotzdem muss er zugeben, nicht frei von Eitelkeit zu sein: «Manchmal denke ich: ‹Scheisse, der Kerl ist wirklich gut und kommt sogar gut an.›» Da seien Anflüge von Missgunst nicht ausgeschlossen.

Die Sache mit dem Kaffee wird zum Running Gag. Rima fragt seine Freundin Christina, ob sie auch noch einen möchte. Sie antwortet, sie wäre zufrieden, überhaupt mal einen serviert zu bekommen. Nun gut, schliesslich findet sich zwischen zwei Dialogen ein Zeitfenster, gross genug, um die Kaffeemaschine in Gang zu setzen.

Der 43-jährige Marco Rima gehört zur Elite der Schweizer Komiker und ist doch eine Nummer ganz für sich: in seinen Programmen, von «Marcocello» bis zu «Think Positive», seinen Fernsehauftritten oder im Kino in «Achtung, fertig, Charlie!».

Wenn Rima Menschen zum Lachen bringen soll, zieht er alle Register, duldet keine Halbheiten. Auch privat inszeniert er Geschichten, verdichtet sie, spielt Pointen aus, mit sicherem Gespür fürs Timing.

Nach dem Kaffee steigen wir in die Produktion des Mittagessens ein: Züri-Gschnätzlets mit Rösti. Vor unserer Ankunft hat Marco Rima noch schnell die Küche aufgeräumt. Den Putzfimmel habe er von seinem Vater geerbt, sagt er. Dieser sei im Stande gewesen, ein Gespräch kurz zu unterbrechen, um eine Fussel aufzuheben. Christina bestätigt: «Marco hat die Eigenheit, beim Kochen zweimal zu putzen: einmal vorher und einmal nachher.»

Marco Rima, der sich die Betreuung seiner beiden Kinder mit seiner Exfrau teilt, organisiert seine Tage bis ins Detail. Heute ist die elfjährige Mia angemeldet. Darum sollte das Mittagessen pünktlich auf dem Tisch stehen. Darum kommt die Rösti aus dem Beutel. Darum gibts Fertigsalat dazu. Das viele Aromat in der Sauce hängt nicht mit der Tochter, sondern mit Rimas eigener Vorliebe zusammen. Er liebt die Gewürzmischung so sehr, dass er zur Nachbarin eilt, als seine Büchse leer ist.

Mutters Küche war das Vorbild

Rima sagt, er habe von seiner Mutter in der Küche viel abgeguckt. Noch heute zählt er ihr Osso buco zu seinen Lieblingsgerichten, «das sie mir aber schon sehr lange nicht mehr aufgetischt hat». Der sanfte Vorwurf in der Stimme ist nicht zu überhören. Vaters Kochkünste hätten sich dagegen auf drei Menüvarianten beschränkt: Gnagi mit Pommes Chips, Huftplätzli mit Pommes Chips oder gekaufte Wähe.

Mia ist übrigens doch nicht da zum Mittagessen. Sie hat sich abgemeldet, weil sie krank ist. Marco Rima und ich kommen wieder auf den Beruf zu sprechen, mit dem er sich stets so ernsthaft auseinander setzt. Er, dessen Kerngeschäft die Komik ist, möchte nicht auf seine Rolle als Clown reduziert werden. In Filmen spiele er, wenn immer möglich, gebrochene Persönlichkeiten: «Ein Depp, der keine andere Facette zu bieten hat als den Klamauk, ist langweilig. Darum suche ich Figuren, die mehrschichtig sind und auch mal ernst, nachdenklich oder traurig sein dürfen.»

In Deutschland, wo Marco Rima seit Jahren ein bekannter Name ist, ist es jedoch nicht leicht, das Genre zu wechseln. Seit er in den neunziger Jahren in der berühmten «Wochenshow» auf Sat 1 war (unter anderem mit Anke Engelke), möchten ihn die Programmverantwortlichen nur zu gerne immer in ähnlichen Besetzungen sehen. «Ich werde oft für so genannte Panelshows angeboten, in denen sich eine Hand voll Komiker eine Pointenschlacht liefert. Diese Angebote lehne ich unterdessen alle ab.»

Marco Rimas Leidenschaft neben dem Beruf sind seine Kinder. Hat er überhaupt Zeit für sie? «Klar bin ich ab und zu längere Zeit weg», sagt er. «Aber im Schnitt bin ich wohl mehr zu Hause als mancher Vater, der werktags von früh bis spät arbeitet.» Vor allem sei er froh, durch Nicola und Mia neben der Karriere einen anderen Schwerpunkt zu haben und den Boden unter den Füssen nicht zu verlieren. Er sagt es ohne Umschweife: «Ohne Kinder wäre ich vielleicht ein abgehobenes Arschloch.»

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