Nicht dass wir das Thema der berühmten Hymne, die Patrick Frey den Job des satirischen Kommentators in der Sendung «Ein roter Teppich für…» gekostet hat, grossräumig umfahren würden. Aber der Mann hat einfach zu viele andere Themen, über die zu reden sich lohnt. Also haken wir diese TV-Geschichte ab und wenden uns Freys verschiedenen Tätigkeiten zu – vor allem dem heutigen Projekt namens Forelle blau.

Patrick Frey lebt mit Frau Laurence und den vier Söhnen in Zürich-Wollishofen. Die Küche hat hier einen prominenten Platz, man hätte von ihr aus an schneefreien Tagen wohl einen wunderbaren Blick über die Seebucht. Die Forellen sind frisch vom Markt, ebenso frisch wie die Geschichte von der Begegnung mit FDP-Parteileuten, die Werbung für die Stadtratswahlen machten. Sie gratulierten Frey, der am Einkaufen war, für seinen letzten Auftritt am Humorfestival in Arosa.

Frey kann durchaus ernst sein
Nicht alles, was Patrick Frey macht, ist lustig. Soll es auch nicht sein. Im Moment rüsten wir Kartoffeln, Rüebli und Lauch für den Sud sowie Gurken für den Salat. Zudem ist ein Kochfeld des Induktionsherds ausgestiegen. Der Zwischenfall bringt den Ablauf kurz ins Stocken.

Eine von Freys Leidenschaften sind Bücher. Er zeigt mir zwei Werke seines Verlags, der «Edition Patrick Frey»: einen Bildband mit Aufnahmen von Bunkern der Schweizer Armee, die in den Bergen als «falsche Chalets» getarnt herumstehen. Und die Sammlung von Geschichten und Kolumnen des Journalisten Max Küng mit dem Titel «Einfälle kennen keine Tageszeit». Das Buch ist mehr als eine Zweitverwertung bereits erschienener Artikel, bietet es doch zusätzlich eine Unzahl von Fussnoten, Momentaufnahmen und Ideen, vom Autor gesammelt und präsentiert.

In Freys Forellenrezept heisst es, die Fische seien gar, wenn die Augen herausträten. Wir schmunzeln über die makabre Beschreibung. Patrick Frey macht sich Gedanken über den Umgang mit der Haltung, der Tötung und dem Verzehr von Tieren: «Einige Leute haben Mühe mit Fischen und Meeresfrüchten, weil man da das ganze Tier sieht. Im Kotelett hingegen erkennt man das Säuli nicht mehr.»

Frey denkt die Geschichte satirisch zu Ende. Er plädiere für «Erlebnismetzgereien», in denen die Tiere lebendig herumstehen würden. Man könnte auf ein Schaf zeigen und sagen, man wolle ein Gigot davon. «Der Metzger würde das Tier vor den Augen des Kunden töten, ausnehmen und präparieren. Wetten, dass sich der Fleischkonsum ganz schnell regulieren würde?»

Auf anderen beruflichen Gleisen fährt Patrick Frey, wenn er in der TV-Serie «Lüthi und Blanc» den zynischen Herrn Schwarz gibt. Oder sich in der neuen TV-Comedy-Show «Genial daneben» an des Rätsels Lösung heranblödelt. Der Mann, der offenbar wenig Berührungsängste hat, mischt ernste und unterhaltsame Formen wie der Koch sein Bouillongemüse.

Dem wahren Patrick Frey sehr nahe kommt die Inszenierung «Sickmen», in der er gemeinsam mit Viktor Giacobbo und Mike Müller auf der Bühne steht. Das Stück wurde von den drei Schauspielern geschrieben und widerspiegelt über weite Strecken ihre Leidenschaften und Ängste, bezogen auf ihr Konsumverhalten und den Zustand ihrer Gesundheit.

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Zur guten Küche gehört guter Stil
Freys Abneigung gegen Glutamat – ein zentrales Thema bei «Sickmen» – ist nicht erfunden, sondern einer Allergie zuzuschreiben. Der Geschmacksverstärker, der in vielen Fertigsuppen, Saucen und Gewürzmischungen vorkommt, mache ihn zappelig und «irgendwie heiter». Das töne zwar harmlos, sei aber nur halb so lustig: «Ich bin ein eher unruhiger Typ und kann das nicht gebrauchen.»

Auffallend an Frey ist sein Outfit in der Küche. Wo andere eine Schürze anziehen, behält er den Veston an, so als müsste er hinterher als Kellner auftreten. Das habe mit seiner Erziehung zu tun: «Ich musste mich als Jugendlicher oft formell anziehen. Wir wurden angehalten, uns zu benehmen. Höflichkeit und Umgangsformen waren meiner Mutter wichtige Werte.» So exotische Accessoires wie Messerbänkli seien ihm sehr vertraut, verrät er. Umso peinlicher ist es ihm zuzugeben, dass er leider keine Fischmesser besitze.

Im Haushalt ist Patrick Frey eine Verantwortung fest zugeteilt: Seine vier Buben begleitet er seit ihrer frühesten Kindheit durch den Morgen. Er weckt sie, frühstückt mit ihnen, begleitet sie zur Schule. «Diese Kontinuität ist für sie, aber auch für mich sehr wichtig», gesteht er. Ein bisschen Ordnung, die ihm helfe, sein Leben zu strukturieren.

Nach mehrmaligem Rufen kommen drei Söhne zum Essen. Die Jungs freuen sich über die frischen Forellen wie andere Kinder über Fischstäbchen und präparieren sie nach allen Regeln der Kunst. Patrick Frey scheint seine gute Erziehung mit Erfolg weitergegeben zu haben. Kochen tut er selten. Doch was spielt das für eine Rolle, wenn das Resultat so gut schmeckt?

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