Selbst ist der Koch. Heute sind die Rollen einmal umgekehrt verteilt: Röbi Koller, der in den letzten Jahren für den Beobachter 100 Prominente in der ganzen Schweiz in ihren Küchen besucht hat, öffnet seine eigene Wohnung. Zusammen mit Ursula Meisser und Niklaus Spoerri, die den grössten Teil der 100 kollerschen Kochreportagen fotografiert haben, steht er in der Küche und hat ein Team aus der Beobachter-Redaktion zum Nachtessen eingeladen.

Die Zusammenarbeit klappt bestens: Fotografin und Fotograf demonstrieren selbst einiges an Kochkenntnissen und finden zwischendurch noch Zeit, sich gegenseitig beim Fotografieren von Koch Koller zu fotografieren. Aus allen Winkeln wird dessen Rüsten und Mischen festgehalten. «Stehe ich euch im Weg?», fragt er zwischendurch schmunzelnd. Als Reporter, der das Trio beim Arbeiten beobachten und beschreiben soll, begnüge ich mich gerne mit der Rolle als Erbsenschäler.

Röbi Koller sieht man an, dass er nicht nur für den Beobachter in der Küche steht. Das beginnt schon bei seiner Ausrüstung: Da findet sich beispielsweise ein reiches Sortiment an Messern, scharf geschliffen und auf alle in der Küche geforderten Zwecke zugeschnitten. Koller hat aus schlechten Beispielen gelernt: «80 Prozent der Prominenten, die ich besuchte, hatten miserable Küchenmesser.» Hier dagegen überrascht der Hausherr die Fotografin Ursula Meisser, deren Schneidetechnik man die geübte Köchin ansieht, sogar mit einem Spezialmesser, dem so genannten Demidoffmesser, das beim Rüeblischneiden für wellenförmige Schnittkanten sorgt. Er weiss, was er der optischen Abteilung schuldig ist.

Mittelmeer statt Zürichsee
Das Jubiläumsmenü hat viele Eltern. Koller hat sich bei vier der Prominenten bedient, bei denen er in den letzten Jahren zu Gast gewesen ist. Die Antipasti - gebratene Peperonistreifen und Auberginenscheiben - hat er bei Karikaturist Nico geborgt, der als Pendler zwischen Zürich und Nizza das Mittelmeer trefflich an den Zürichsee zu bringen weiss. Dann folgt ein vietnamesischer Salat mit Saisongemüse, Erdnüssen, Ingwer, Koriander und Crevetten, dessen Rezept von Migros-Kommunikationschefin Monica Glisenti stammt. Der dritte Gang ist eine andalusische Mandelcremesuppe aus der Küche von Moderatorenkollege Kurt Aeschbacher.

Seinen grossen Auftritt im Hauptgang hat der Hackbraten «alla nonna Luigina» von Boris Blank, dem Soundtüftler der Rockgruppe Yello. Und dann zwei krönende Schlussbouquets: als klassischer Dessertkäse ein Brie de Meaux und das Caramelchöpfli Chübel. Geniesser wissen, dass mit dem «Chübel» der Zuger «Rathauskeller» gemeint ist und das Rezept vom dortigen Küchenchef Stefan Meier stammen muss. Was die Weine angeht, hat sich der Gastgeber für Italien entschieden: Er serviert exzellente biologische Gewächse, einen weissen «Sogno Bianco» und einen roten «Selvato».

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«Viele Überraschungen erlebt»
Was bringen denn einem Mann wie Röbi Koller, der fürs Radio, am Fernsehen und bei öffentlichen Veranstaltungen mit ungezählten Gästen diskutiert hat, die Küchengespräche mit den Persönlichkeiten aus Showbusiness und Politik, aus Sport und Wirtschaft? Kommt man mit den Promis ob all der Küchenarbeiten überhaupt ins Gespräch? Sogar besser als in der üblichen Interviewsituation, findet Koller: «Diese Leute verhalten sich in der Küche ganz anders, als wenn man sie direkt befragt. Die meisten sind erfahrene Gesprächspartner und geben sich im Frage-und-Antwort-Spiel sehr kontrolliert. Beim Kochen sind sie viel natürlicher. Da habe ich einige Überraschungen erlebt.»

Auch fürs Multitasking, also für das Bewältigen von verschiedenen Aufgaben zur selben Zeit, ist Röbi Koller bestens geeignet - obwohl man diese Fähigkeit sonst vor allem Frauen zuschreibt. So präpariert er genau nach den schriftlichen Anweisungen von Monica Glisenti den vietnamesischen Salat und telefoniert nebenher mit seiner Migros-Bank-Filiale. Alles Migros oder was? Die Sache eilt. Denn in wenigen Tagen reist Röbi Koller mit seiner Partnerin Esther Della Pietra zu seiner Tochter, die als Austauschschülerin in den USA ist. Das gibt auch finanziell noch einiges zu regeln. Der kochende Moderator hat beides im Griff, die Crevetten und die Finanzen.

Der 49-Jährige hat nicht nur dem Beobachter-Publikum neue Seiten von Prominenten aufgezeigt. Er hat auch selbst viel Neues erfahren. Ganz besonders bei den bekannten oder gar berühmten Küchenchefs, die er porträtiert hat, war der Lerneffekt gross: «Zuerst habe ich bei diesen Profis nur gestaunt. Aber je mehr Grundkenntnisse ich mir aneignete, desto besser konnte ich die raffinierteren Tricks dazulernen.»

Und er lernte bei einigen der Besten im Lande wie dem mit 19 Gault-Millau-Punkten dekorierten Horst Petermann in Küsnacht am Zürichsee oder bei Beat Bolliger im «Walserhof» in Klosters - auch bei englischen Prinzen ausserordentlich beliebt. Sogar bei den «Fussballköchen» hat er in die - privaten - Töpfe geschaut: Jacky Donatz vom Fifa-Restaurant Sonnenberg in Zürich und Emil Bolli, Küchenchef im Hotel Bern und Koch für die Schweizer Fussballnationalmannschaft, haben ihn schon empfangen.

Allerdings hat Koller festgestellt, dass selbst grosse Cracks gelegentlich ins Rotieren kommen, wenn sie allein am häuslichen Herd stehen und keine eingespielte Küchenequipe um sich herum wissen.

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