Zum erstenmal Amerika! Zum erstenmal New York! Plötzlich tauchte die Skyline von Manhattan am Horizont auf, und ich hatte das Gefühl, die «Neue Welt» selbst nochmals zu entdecken.

Ich war noch ein kleiner Bub, als ich erstmals New York besuchte. Damals waren die Strassen der Stadt noch nicht endlos verstopft und noch relativ sicher. Bloss in Harlem sei Vorsicht geboten, warnten Uncle Willy und Auntie Rose, als wir an einem Freitagabend ins legendäre «Apollo» fuhren. Von hier aus haben fast alle Grössen des Jazz Karriere gemacht – und auch meine Liebe zu dieser Musik begann genau an diesem Ort.

Es waren Wochen voller aussergewöhnlicher Eindrücke, deren wahre Bedeutung ich erst Jahre später erfahren sollte…

Natürlich ist unterdessen auch einiges völlig unbedeutend geworden. Aber ich erinnere mich noch ganz genau an «Oklahoma» und «My Fair Lady» – zwei Musicals, die damals am Broadway Furore machten. Im einen traten tanzende Cowboys auf, was mich eher verstörte; im anderen erfreute eine so prachtvolle Ausstattung das Auge, wie ich sie nie zuvor gesehen hatte.

Jahre später besuchte ich eine Retrospektive des Malers Edward Hopper. Bereits als ich durch die Ausstellung ging und die faszinierenden Bilder mit ihren leeren Strassen und den einsamen Leuten betrachtete, hatte ich das Gefühl, dass mir etwas Bekanntes wiederbegegnete.

Ich kaufte mir einen Katalog. Spätabends blätterte ich darin und stiess auf den Titel eines Bildes, das mich ganz besonders fasziniert hatte. Es hiess «American Diner» und zeigte ein Lokal, das im gelben Licht der Strassenlampen traurig vor sich hin dämmerte.

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Da endlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen! Das abgebildete Lokal war das «Lindy’s», jenes Lokal, in das mich Onkel Willy und Tante Rose jeweils nach den Theaterbesuchen geführt hatten. «Lindy’s» war damals für die Theaterbesucher ein «Must», und im «Lindy’s» hatte ich den allerersten Cheesecake meines Lebens genossen. Er war ein bisschen schwabbelig, aber wunderbar sahnig-feucht im Genuss.

Eine Quarktorte macht Karriere
Ich erinnerte mich genau an jenen New Yorker Abend, ja sogar an den Geschmack der Torte: Sie roch sanft nach Vanille und hatte eine frische Zitronennote. Wie hatte ich so ein Dessert vergessen können?!
Ich begab mich auf eine lange Suche nach dem Originalrezept. Doch «Lindy’s» gab es längst nicht mehr, und das Rezept war inzwischen von einem Industriellen aufgekauft worden.

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Und «Lindy’s Cheesecake» hatte eine wenig rühmliche Karriere gemacht. Mittlerweile war die Süssigkeit im Kühlregal jedes US-Supermarkts zu finden, hatte jede erdenkliche Farbe, Füllung und Glasur. «Lindy’s» Quarkkuchen meiner Jugend war das nicht mehr.

Ein seltsamer Ehrgeiz packte mich. Wenn es mir schon nicht gelang, das Originalrezept zu ergattern, so setzte ich nun alles daran, das beste «andere» Quarkkuchenrezept zu finden. Auf Sizilien begegnete ich diesem schliesslich – weit weg von «Lindy’s» New York und Edward Hoppers «American Diner»...

Rezept: Quarktorte alla Siciliana

Für eine Form von 22 bis 25 Zentimeter Durchmesser

850 Gramm Ricotta
150 Gramm Zucker
40 Gramm Mehl
4 bis 5 Eigelb
3 Kaffeelöffel Orangenblütenwasser
2 Kaffeelöffel Orangenschale, abgerieben
das Ausgekratzte einer
Vanilleschote
1 Esslöffel Cognac
2 Prisen Salz
2,5 Deziliter Orangensaft, frisch gepresst
1 Esslöffel Honig
1 Esslöffel Campari
4 Esslöffel Sultaninen
etwas Grand Marnier
etwas Butter

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Zubereitung
Heizen Sie den Backofen auf 160 Grad auf. Damit die Quarktorte sich später besser von der Springform lösen lässt, sollten Sie diese mit Pergamentpapier auslegen, gut mit Butter einfetten und etwas Mehl darüberstäuben.

Zucker und Mehl in einer Schüssel vermengen und nach und nach Ricotta dazugeben. Die Eigelbe, das Orangenwasser, die Orangenschale, den Cognac, das Salz und das Ausgekratzte der Vanilleschote dazumischen. Die Sultaninen in etwas Grand Marnier einlegen.

Wenig Teig in die vorbereitete Form eingiessen, die abgetropften Sultaninen verteilen, den Rest der Masse darübergiessen. Alles mit einem feuchten Spatel glattstreichen.

In den Backofen schieben und etwa 70 bis 80 Minuten lang backen. Die Kruste darf goldbraun sein – das Innere des Kuchens sollte jedoch noch weich sein.

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In der Zwischenzeit den Orangensaft mit dem Honig aufköcheln. Wenn diese Glasur zäher fliesst, den Campari und den Rest des Grand Marniers dazugeben und alles abkalten lassen.

Den gebackenen Kuchen auf ein Kuchengitter legen und abkalten lassen. Danach – mit Klarsichtfolie bedeckt – eine Nacht lang im Kühlschrank aufbewahren.

Angerichtet wird jeweils ein Stück des Kuchens auf je einem Teller. Danach wird etwas Glasur darübergeträufelt – und alles sofort aufgetragen.

Die Tricks:

  • Diese Quarktorte wird ohne Teigkruste gebacken. Damit sie sich aus der Form lösen lässt, verwendet man eine mit Teflon beschichtete Springform und belegt sie zusätzlich mit einem Blechreinpapier. Dieses sollte mit Butter bestrichen und etwas Mehl zusätzlich bestäubt werden.
  • Orangenwasser kommt aus der arabischen Küche zu uns: Kein Wunder, ist es auch in der sizilianischen Kuchenbäckerei ein unabdingbarer Bestandteil! Orangenwasser bekommen Sie in der Drogerie oder der Apotheke.
  • Verwenden Sie nur das Abgeriebene von Biofrüchten. Herkömmlich produzierte Früchte sind oft mit Schutzmitteln imprägniert. Diese verleihen dem Gericht einen unangenehmen chemischen Beigeschmack.
  • Wenn Sie die Sultaninen auf die erste Hälfte des Teigs streuen, vermischen sie sich bei der Zugabe der zweiten Teighälfte besser mit der Kuchenmasse.
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