1. Home
  2. Familie
  3. Erziehung
  4. Familie: Wie erkläre ich den Terror meinem Kind?

Familie

Wie erkläre ich den Terror meinem Kind?

Auch Kinder nehmen es wahr, wenn es Terroranschläge gibt wie zuletzt in Paris. Eltern sollten das Thema nicht umgehen, sondern ansprechen.

Frage: Wie kann ich mit meinen Kindern über Terroranschläge sprechen? Soll ich abwiegeln oder besser ganz schweigen?

Anzeige

Antwort von Gabriele Herfort, Fachbereich Familie:

Bis zum Alter von drei Jahren sollten Kinder von Nachrichten und entsprechenden Bildern verschont bleiben – da sind sich die Fachleute einig. Denn die Kleinen können noch nicht unterscheiden, was Realität und was Fiktion ist. Wenn Kinder älter sind und danach fragen, sollte man sie aber auf jeden Fall ernst nehmen und all ihre Fragen kindgerecht und ehrlich beantworten. Wenn Eltern versuchen, das Thema zu umgehen, können sich erste ­diffuse Ängste deutlich steigern.

Kinder leben nicht in einer isolierten Welt. Sie sehen die Bilder, schnappen Stimmungen auf und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Es muss selbstverständlich sein, dass die Eltern den Fern­seher nicht einfach kommentarlos laufen lassen, sondern die Kinder begleiten – und reden, reden, reden! Dabei können auch gezielt eingeschaltete Kindernachrichten helfen. Erwachsene können zudem ruhig zugeben, dass auch sie nicht alles verstehen und es auf die Frage «Warum?» nicht immer eine eindeutige Antwort gibt.

Kinder beschäftigt am meisten die Frage, ob Terror auch bei uns passieren kann. Bei kleinen und sehr ängstlichen Kindern ist eine Notlüge vielleicht angebracht. Kinder merken aber, wenn die Eltern lügen, deshalb wäre eine ehrliche Antwort: «Terroranschläge können überall passieren, auch bei uns. Das ist aber äusserst selten und sehr unwahrscheinlich. Ausserdem passt die Polizei sehr gut auf.»

Wichtig ist, dass Eltern den Kindern auch in dieser Situation ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Wenn die Eltern sehr verunsichert sind, überträgt sich das auf die Kinder. Auch hier gilt: Gefühle nicht verschweigen oder wegreden, sondern zugeben, dass Angst und Trauer völlig normal sind.

Ein Bild malen, Blumen niederlegen

Möglich ist auch, den Kindern zu erklären: «Das ist das, was die Terroristen wollen, sie wollen Angst schüren. Sie machen uns Angst, aber wir lassen die Angst nicht ­alltäglich werden und gehen trotzdem zum Fussballspiel oder zum Weihnachtsmarkt.» Es wird einfacher, das Schreckliche zu verarbeiten, wenn man gemeinsam mit den Kindern überlegt, wie man seine Gefühle zum Ausdruck bringen könnte. Zum Beispiel Blumen niederlegen, etwas aufschreiben oder ein Bild malen.

Wenn sich allerdings bei den Kindern grosse Ängste entwickeln und etwa länger anhaltende Schlafstörungen auftreten, sollten Eltern sich nicht scheuen, psychologische Hilfe zu holen.

Nachrichten für Kinder im Internet:

  • www.kindernetz.de
  • www.kiraka.de
  • www.zambo.ch

Text: Gabriele Herfort
Bild: Kurt Desplenter/Belga/Afp

Veröffentlicht am 2015 M11 24