Bild: Daniel Müller

FrühförderungMit allen fünf Sinnen voran

Frühförderung ohne Stress: Wie Eltern kleine Kinder spielerisch bei der Entwicklung unterstützen – damit der Körper dem Geist automatisch auf die Sprünge hilft.

von Sarah Zanoni

Der vierjährige Paul und seine kleine Nachbarin Emma kommen bald in den Kindergarten. Die zwei aufgeweckten Kinder sind total verschieden. Paul ist meist draussen anzutreffen, beim Rennen, Hüpfen, Klettern, Radfahren. ­Emma ist eher ein «Stubenhöckli»: Sie spielt stundenlang mit ihren Puppen, malt gerne und liebt ihre Puzzles.

Beide Kinder üben in ihrem Spiel- und Bewegungsverhalten spontan viele wichtige Dinge, die sie später zum Lernen unbedingt brauchen. Und sie üben diese Fertigkeiten ganz ohne Förderstress. Denn Lernen im Kleinkindalter geschieht von allein, spielerisch. Vorausgesetzt, Kinder haben genug Raum, Zeit, ein passendes Beschäftigungsangebot und die Unter­stützung ihrer Eltern, wo nötig.

Emma und Paul haben bereits gute Kenntnisse in Fein- und Grobmotorik. Emma verbessert ihre Fingerfertigkeit automatisch, wenn sie Puppen ankleidet, zeichnet und bastelt. Zudem wird die Hand-Augen-Koordination geübt, die für das spätere Schreiben nützlich ist. Beim Puzzeln zeigt Emma bereits gute Konzentration, auch wenn sie erst zehn Minuten andauert.

Paul wird in diesen Dingen vielleicht etwas weniger schnell und genau sein. Dafür ist seine Grobmotorik bereits gut entwickelt. Immer wenn er draussen rumtobt, werden Körpergefühl und Bewegungsabläufe gefördert. Durch sein gut entwickeltes Gleichgewicht und seine Raumwahrnehmung – er weiss bereits, was oben und unten, hinten und vorne ist – sollte ihm später das Rechnen eher leichtfallen.

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Rückwärtsgehen hilft fürs Minusrechnen

Dass der Umgang mit dem Körper direkte Hinweise auf das spätere Lernvermögen gibt, ist eine faszinierende Beobachtung von Fachleuten. So haben Kinder, die nicht rückwärtsgehen können, Mühe beim Minusrechnen. Kinder, deren auditiver Bereich noch nicht gut entwickelt ist – auch bei gutem Gehör –, können schlecht aufpassen und Aufträge nicht zuverlässig befolgen. Ein gut ausgebildeter Gleich­gewichtssinn befähigt ein Kindergartenkind, eine Weile lang stillzusitzen und sich zu konzentrieren.

Um diese Fähigkeiten spielerisch und ohne Förderstress zu trainieren, gibt es viele einfache und lustige Spiele. Etwa mit einer Ohrenmassage: Lassen Sie Ihr Kind seine Ohrmuscheln reiben, ziehen und massieren. Gleich wird es Ihnen besser zuhören können und mehr Energie haben. Lassen Sie es barfuss über verschiedene Gegenstände gehen. Oder backen Sie – als spielerische Massage – auf dem Rücken Ihres Kindes eine «Pizza». Diese Spiele fördern die Körperwahrnehmung, die für die Entwicklung von fast allen anderen Bereichen als Basis gilt. Für eine gute Zusammenarbeit beider Gehirnhälften und damit für ein gutes Lernvermögen spielen Sie mit Ihrem Kind «Glöcklein läuten», mit ineinander verschränkten Fingern.

Da das Gehirn alle Informationen über die fünf Sinne aufnimmt, müssen diese gut entwickelt sein. Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken und Riechen sollten schon im Kleinkindalter spielerisch angesprochen werden. Wenn Sie Ihr Kind darin unterstützen wollen, dass es später die besten Voraussetzungen fürs Lernen hat, dann spielen sie mit ihm so, dass es abwechslungsweise Haut, Augen, Ohren, Gaumen oder Nase miteinbeziehen kann.