8_00_bp_kind5.jpg«Hoffentlich wirds ein Bub», sagt Marcel Minder (7) auf die Frage, ob er lieber einen Bruder oder eine Schwester hätte. Pascal (2) nickt zustimmend, während Schwester Yvonne (6) einem zweiten Mädchen den Vorzug gibt. «Und du, Mami?», fragen die drei Kinder unisono. «Hauptsache, das Baby ist gesund», sagt Evy Minder.

Die 35-Jährige war kaufmännische Angestellte und ist heute Familienfrau aus Uberzeugung. Eine Woche nach dem Besuch des Beobachters kam die kleine Fabienne zur Welt. «Ich wollte immer zwei oder vier Kinder. Ich selber wuchs mit zwei Geschwistern auf und war im Sandwich», erklärt Evy Minder. Eigentlich hat sie jetzt fünf Kinder, denn sie ist noch Tagesmutter eines Einzelkinds.

«Kinder sind wichtiger als die Karriere», sagt Marcus Minder (37). Der gelernte Mechaniker arbeitet heute als Abwart in einer grossen Firma. Die Familie bewohnt eine Altliegenschaft beim Bahnhof Zürich-Altstetten. Die Eltern sind sich einig: «Dieses Haus ist ideal für uns. Wo sonst könnten wir mit vier Kindern, zwei Hunden und zwei Katzen leben?» Ein weiterer Vorteil: Marcus Minder kann immer zu Hause mit der Familie essen. «Das spart viel Geld», sagt er.

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Und wie halten es Minders mit den Finanzen, in einer Zeit, wo Markenkleider, Snowboard-Ausrüstungen und teure Ferien für viele Kinder selbstverständlich sind? Das sei bisher kein Problem gewesen, erklären die Eltern. Ferien verbringe man auf dem Campingplatz oder in einer Ferienwohnung, für Kleider und Skiausrüstungen gebe es Börsen.

Einbussen wegen der Kinder? «Wir beide stammen aus Arbeiterfamilien», sagt Marcus Minder, «wir können uns bestimmt nicht weniger leisten als früher.»

Evy Minder ist für die nächsten Jahre in der Familie voll gefordert: «Ich arbeitete früher zwar sehr gern, aber eine berufliche Karriere reizte mich nicht. Die Familie entschädigt mich voll und ganz. Ich habe jedenfalls nicht das Gefühl, etwas zu verpassen.» Ob andere Leute ihr Leben für gut oder schlecht befinden, ist ihr egal. Sie und ihr Mann wollen nur eins: ihre Kinder zu ehrlichen Menschen erziehen.

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Wie ist das Umfeld für eine grosse Familie? «Unser Land ist nicht kinderfeindlich, aber auch nicht kinderfreundlich», sagen die Eltern. Da sei in der Nähe ein Spielplatz und die Anstösser beklagten sich wegen des Kinderlärms. Der Staat könnte zudem ruhig etwas mehr tun für Familien. «Uber höhere Kinderzulagen wären wir schon froh», sagt Marcus Minder.

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