Beobachter: Herr Kobler, gehen Sie auch mal ohne Wetterprognose in die Berge?
Kari Kobler: Nein, das tue ich nicht. Und im Himalaja oder im Karakorum sind präzise Prognosen viermal wichtiger als in der Schweiz. Das sieht man auch an den Unfällen. Noch vor 20 Jahren kamen am Everest ein Drittel aller Bergsteiger um. Heute sind es nur noch 1,8 Prozent – dank besserer Ausrüstung und vor allem den Wetterprognosen.

Beobachter: Die Prognosen für Ihre Expeditionen liefert die Firma Meteotest aus Bern. Wie genau sind diese Vorhersagen?
Kobler: Natürlich können sie uns nicht auf den Zentimeter genau vorhersagen, wie viel Schnee es geben wird. Aber Schlechtwetter, Wind und Luftfeuchtigkeit lassen sich ziemlich genau prognostizieren.

Beobachter: Und weshalb ist das so wichtig?
Kobler: Am Everest etwa braucht man fünf Tage vom Basislager auf den Gipfel. Da ist es lebenswichtig zu wissen, wie das Wetter am vierten und fünften Tag ist. Zudem gibt es am Everest kurz vor dem Gipfel eine heikle Stelle, an der es an guten Tagen zu richtigen Staus kommen kann. Wenn uns Meteotest ein günstiges Wetterfenster mit einer hohen Trefferwahrscheinlichkeit voraussagt, können wir früh aufbrechen und schaffen es vor dem Hauptharst der anderen Expedi­tionen auf den Gipfel.

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Beobachter: Sie vertrauen Ihrem Wettermacher also voll und ganz?
Kobler: Natürlich habe ich über die Jahre auch selbst ein «Gspüri» entwickelt, wie das Wetter etwa wird. Aber wenn mir Ralph Rickli von Meteotest am Satellitentelefon sagt: «Kari, du kannst gehen», dann schliesse ich die Augen und laufe los.