Das Problem:

«Ich arbeite als Sozialpädagogin und leide unter dem eisigen Schweigen, das in unserer Familie herrscht. Als ich 20-jährig war, starb meine Mutter plötzlich an einem Kreislaufversagen.

Ich wurde von der Familie «abgeordnet», den Beruf aufzugeben und für meinen Vater und meine Geschwister den Haushalt zu führen. Aus dem Provisorium wurden drei Jahre. Ich erhielt keine Bezahlung. Ich möchte, dass mir einmal jemand für meine unnötige Aufopferung dankt. Wie finde ich meinen inneren Frieden?»

Rahel B.

Koni Rohner, Psychologe FSP:

Anhaltender Ärger ist quälend, und es ist schade für die Lebenszeit, wenn man sich darin verstrickt. Lassen Sie also Ihren Groll los: Verzeihen Sie Ihren Verwandten, dass sie Ihnen für die damals erbrachten Opfer nichts bezahlt haben. Der Versuch, nach Jahrzehnten eine Entschädigung für Ihren Einsatz zu bekommen, ist laut Ihrem Brief ja gescheitert.

Das beleidigte eisige Schweigen der anderen ist allerdings deren Problem. Deshalb würde ich an Ihrer Stelle ungerührt freundlich sein und mich so benehmen, wie man sich Verwandten gegenüber benimmt, wenn nichts Besonderes vorgefallen ist. Mit der Zeit werden sich die anderen automatisch dumm vorkommen.

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Vielleicht ist es zur endgültigen Bewältigung Ihres Ärgers aber nötig, dass Sie dem Vater und Ihren Geschwistern noch einmal deutlich sagen, dass Ihnen etwas Dankbarkeit für die damalige Leistung wohl tun würde oder wohl getan hätte. Meiner Ansicht nach war es übrigens keine «unnötige Aufopferung», wie Sie schreiben, sondern Sie haben damals eine sehr wichtige Aufgabe übernommen. Das können Sie sich zugute halten, und darauf können Sie stolz sein.

Es kommt im Leben oft vor, dass man undankbare Jobs übernimmt, aber meine Erfahrung zeigt, dass einen das Schicksal immer dafür entschädigt allerdings oft an ganz anderer und unerwarteter Stelle. Trotzdem rate ich Ihnen, da Sie ja auch noch in einem sozialen Beruf tätig sind, in Zukunft genau zu prüfen, für wen oder was Sie sich «aufopfern» wollen, um sich nicht plötzlich wieder ausgenutzt zu fühlen.

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