In der Schweiz bleibt jedes sechste Paar ungewollt kinderlos. Weil nur etwa 30 Kinder pro Jahr zur Adoption freigegeben werden, suchen viele das Familienglück im Ausland. So kamen im Jahr 2001 rund 460 Kinder zu neuen Eltern in der Schweiz.

Oft Kinderhändler beteiligt
Nicht immer verläuft die Suche legal. Laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen mischen bei einem Viertel aller Adoptionen aus dem Ausland Kinderhändler mit. Dem will das Haager Adoptionsübereinkommen abhelfen; seit Anfang Jahr ist auch die Schweiz als 51. Land dabei.

Das Übereinkommen lässt eine Auslandsadoption nur zu, wenn im Herkunftsland keine geeignete Unterbringung möglich ist. Das Abkommen will zudem sicherstellen, dass das Kind zu Eltern kommt, die sich für diese anspruchsvolle Aufgabe eignen. Einheitliche Verfahrensabläufe sollen dafür Gewähr bieten. «Trotz den neuen Vorschriften lassen sich Missbräuche aber nicht sofort aus der Welt schaffen», sagt David Urwyler, Leiter des Dienstes für internationalen Kindesschutz beim Bundesamt für Justiz. Er vertraut vor allem auf die verstärkte Zusammenarbeit der Behörden.

Die Hauptverantwortung für eine korrekte Adoption liege aber bei den künftigen Eltern, betont Urwyler. Er warnt vor allem vor der Kindersuche via Internet. Der sichere Weg führe über eine behördlich anerkannte Adoptionsvermittlungsstelle. In der Schweiz verfügen zurzeit 19 Organisationen über eine solche Bewilligung (siehe «Vorbereitung»): Sie fungieren als Kontaktstelle zu seriösen Partnern im Ursprungsland und unterstützen die Adoptiveltern bei der Zusammenstellung aller nötigen Dokumente.

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Die Vermittlungsstellen orientieren auch über die kulturelle und individuelle Situation der Kinder. «Adoptiveltern müssen das Kind mit seinen Wurzeln vertraut machen können», sagt Sabine Zünd von der Vermittlungsstelle Bras Kind.

Sozialbericht über die Eltern
Voraussetzung für eine Adoption ist eine behördliche Bewilligung. Waren bis anhin die Vormundschaftsbehörden der Gemeinden dafür zuständig, ist es neu eine kantonale Fachstelle. Bevor die Behörde die Bewilligung erteilt, lässt sie einen Sozialbericht über die künftigen Eltern erstellen. Adoptionswillige Ehegatten müssen mindestens fünf Jahre verheiratet sein oder das 35. Altersjahr zurückgelegt haben. Zudem muss das Kind mindestens 16 Jahre jünger sein als die Adoptiveltern.

Sollte die Adoption scheitern, hat das Kind seit Jahresbeginn einen gesetzlichen Anspruch auf Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung. So wird verhindert, dass es wie ein Gegenstand von einem Ort zum andern abgeschoben wird.

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