Ja, der Herr Biber. Schon lange wollen sie ihn verkuppeln, hier in der Alterswohngruppe Blumengarten in Schönenwerd. Mit der Frau Weber. Die würde gern, aber der Herr Biber denkt nicht daran. Dafür an Schokolade. «300 bis 400 Gramm, so viel werden es sein, die er täglich vertilgt», sagt Béchir Hassouna, Heimleiter. Seit zwölf Jahren führt er zusammen mit seiner Frau Susanne die Wohngruppe mitten in einem ruhigen Einfamilienhausquartier. Ob er ein guter Chef sei, will ich von Frau Stadelmann wissen. «Sicher – wenn wir ihn nicht verruckt machen.» Wann das denn passiere? «Wenn wir zu viel jammern», das habe der Béchir gar nicht gern.

Neun Betagte finden im «Blumengarten» Platz, die meisten sind psychisch angeschlagen. «Ohne intensive Betreuung fänden sie sich nicht mehr zurecht», erklärt Hassouna. Für Bewohner und Mitarbeiter eines regulären Altersheims wären sie eine zu grosse Belastung. «Hier leben sie wie eine Familie», steht im Porträt der Alterswohngruppe – «sie sind nachts nicht allein und fühlen sich geborgen.» Schöne Worte, aber gibt es ihn in so einer Institution tatsächlich, diesen gern gerühmten Familiensinn? Und fast ebenso wichtig die Frage: Gibts hier was zu lachen?

«Frauen wollen nur das Geld»

Fritz Biber, 77, ein humorvoller Geist, zeitlebens ledig – «Frauen wollen ja nur das Geld!» –, scheint der richtige Adressat für diese Fragen. «Ja, ja», sagt er, er sei gerne hier – «sehr familiär». Aber das mit Frau Weber wird wohl nichts. Sie nimmt es gelassen. Jedenfalls betont die 87-Jährige: «Ich bin nicht einsam. Es läuft immer etwas.» Seit fünf Jahren lebt Emma Weber in der Alterswohngruppe. Abgeschoben fühle sie sich nicht: «Ich habe zwei Söhne, eine Tochter und eine Handvoll Enkelkinder. Die kommen, sooft es geht.»

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Doch so familiär es im «Blumengarten» auch zu und her gehen mag, ein Familienersatz ist die Gruppe für die wenigsten. «Es ist wichtig, dass man auch im Alter jemanden hat», sagt etwa Frieda Mühlethaler, 83. Für Yvonne Stadelmann aber ist der Fall klar. «Das hier ist meine Familie», sagt sie und blickt scheu hinüber zu Lina Büeler. Die 85-Jährige ist ein ehemaliges Model. 1950 war sie auf dem Cover der Zeitschrift «Meyers Modeblatt» zu sehen. «Lange her», sagt sie. Will sie deshalb beim Fototermin nicht richtig lachen? «Tja», sagt sie schmunzelnd, «damals hätte ich so einen wie Sie sicher angelächelt.»