Gibt es einen Begriff, der diese Alles-Probierer, diese Multitasker und Multikulter treffend beschreibt?

Was wurde dieser Jugend, die doch so uneinheitlich ist, so fragmentiert in ihren Werten und Verankerungen, nicht schon alles umgehängt an Pauschalurteilen: Heutige Teenager seien verwöhnt, gamesüchtig, markengläubig, jeden Freitag und Samstag bekifft oder besoffen, schnell gewalttätig und noch schneller unterwegs, gern möglichst berühmt und vor allem zu bequem.

Nur wenig schmeichelhafter sind die ­Urteile gegenüber jenen, die alles andere als faul sind. Zwar gibts gerne väterlich lobende Worte von Moderatoren und ­Redaktoren, wenn wieder mal eine besonders blonde 17-Jährige in «X sucht den Superstar» wirkliches Talent beweist und auch noch reden kann. Aber selbst ein Schnelldurchlauf der Uni mitsamt einer netten Reihe von Diplomen ist heute kein Garant mehr für ehrfürchtiges Staunen, schon gar nicht für Erfolg.

Fehler machen erlaubt

«Ihr seid Arschkriecher», «Ihr wehrt euch nicht», nörgeln dann Zeitgenossen wie der 36-jährige Ex-Investmentbanker Gerald Hörhan, der in seinem Buch «Gegengift» die Jugendlichen als Schafe brandmarkt und sie auffordert, Eigenes in Gang zu bringen, statt überflüssige Doktortitel anzuhäufen.

Anzeige

Wer also sind die Jugendlichen von heute? Wie denken sie? Wie funk­tionieren sie? Die Redaktoren Daniel Benz, Balz Ruchti und ihre Kollegin Birthe ­Homann konzipierten diese Spezialausgabe des Beobachters zum Start ins neue Jahr und zeichnen ein Porträt der Jugend, das hinter die Vorurteile blickt und Hoffnung gibt. Die junge Generation, die hier zu Wort kommt, zeigt, dass man Vertrauen haben darf in sie, auch wenn sie viel herumexperimentiert und dabei auch Fehler macht.

Doch in der Gesellschaft der Multi­optionen gibt es viele Wege zum Erfolg. Den direktesten zu nehmen kann auch heissen, wichtige Erfahrungen nicht zu machen. Lässt man den Heranwachsenden aber ein bisschen Raum, in dem sie Dinge ausprobieren und auch mal lästig sein dürfen, über­nehmen sie durchaus Verantwortung.

Was kennzeichnet demnach die heutige Jugend? Ein 27-jähriger Freund meinte auf diese Frage, am besten wohl die Worte «stark unter Strom» – immer vernetzt, immer online, immer vor dem PC oder iPhone. Das klingt nach überall und nirgends, aber eben auch nach einer intensiven Suche nach dem richtigen Weg in einer sich immer schneller ändernden Welt.