Beobachter: Jedes Heim definiert die Qualitätsstandards selber. Die Kantone handhaben die Kontrollen autonom. Herrscht Willkür im Heimwesen?
Hansueli Mösle: Das kann man so nicht sagen. Das Gesundheitswesen ist kantonal geregelt. Das Krankenversicherungsgesetz schreibt jedoch die Qualitätssicherung vor. Rahmenbedingungen zur Qualität der Leistungen wurden durch die Heimverbände und die schweizerischen Krankenversicherer 1998 verabschiedet. Darin enthalten sind auch Anforderungen an die Dotation und an die Qualität des Personals in Heimen.

Beobachter: Ein grosser Teil des Pflegepersonals ist überfordert und unterbezahlt. Was unternehmen die Heimverbände dagegen?
Mösle:
Die Personalknappheit ist in der Tat gross. Die Heimverbände engagieren sich für die Ausbildung von Fachpersonal, etwa für die Schulung von Betagtenbetreuern. Zudem bieten die Heimverbände spezifische Weiterbildungskurse an. Im Rahmen des neuen Berufsbildungsgesetzes engagiert sich der Verband für neue Ausbildungsgänge. Angesprochen sind junge Menschen, aber auch Wiedereinsteiger. Wir hoffen, damit auf den ausgetrockneten Arbeitsmarkt reagieren zu können.

Beobachter: Immer mehr Zeit wird für die Administration verwendet. Wäre diese nicht besser beim alten Menschen eingesetzt?
Mösle:
Das Problem ist bekannt. Die Kantone gelangen vermehrt an die Heime mit statistischen Daten und Umfragen. Kontrollorgane kommen in die Heime. Aber die Pflege am betagten Menschen darf darunter nicht leiden.

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Beobachter: Und doch regiert das Geld. Führt der Spardruck zu einem Leistungsabbau in der Betagtenbetreuung, unter dem die alten Menschen zu leiden haben?
Mösle:
So weit darf es nicht kommen! Falls sich eine solche Richtung durchsetzen sollte, würden wir seitens des Heimverbands politisch intervenieren. Der alte Mensch darf nicht zum Sparobjekt verkommen.