Angenommen, Sie lesen in einer Illustrierten, ein Popstar sei lesbisch oder ein Politiker sei schwul. Was dann? Sie würden es vermutlich einfach zur Kenntnis nehmen und weiterblättern. Das Liebesleben von Prominenten vermag niemanden mehr zu schockieren. Dennoch kann vielen jungen Schwulen und Lesben ihre homosexuelle Neigung zum Problem werden, weil sie sich bei einem Outing vor Unverständnis oder gar Ablehnung fürchten. Wenig hilfreich sind dabei die prominenten Schwulen und Lesben. Diese sind viel zu weit weg, repräsentieren nicht das normale Leben und taugen vielleicht als Idole, nicht aber als Vorbilder im Alltag, wenn es darum geht, vor den Eltern Klartext zu reden.

Dass diese Angst nicht unbegründet ist, zeigt sich im Erziehungsforum des Beobachters: So wie Hildy geht es wohl vielen Eltern. Sie schreibt, dass sie fast in Ohnmacht falle, wenn sie daran denke, ihre Kinder könnten sich homosexuell entwickeln. Gleichzeitig wünscht sie sich aber für den Fall der Fälle, «ruhig reagieren» und ihr Kind so annehmen zu können, wie es ist. Ihr Wunsch in Ehren - damit sie ihn aber umsetzen kann, muss sich Hildy mit Homosexualität erst einmal auseinandersetzen. Etwas, das auch liberal eingestellte Eltern nicht intensiv tun. Oder haben Sie sich je gefragt, ob Ihr Knirps später statt einer schönen Frau vielleicht mal einen wundervollen Lover hat?

Das Thema zu tabuisieren aber bringt nichts. Solange Kinder und Jugendliche in der Schule und im Elternhaus nicht erfahren, dass Homosexualität lediglich eine mögliche Variante der Sexualität ist, treibt sich die «schwule Sau» weiterhin auf dem Schulhof rum und führt die Hitparade der beliebtesten Kraftausdrücke an - selbst wenn solche im Elternhaus tabu sind.

Locker vom Hocker
Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Homosexualität können Eltern ihren Kindern mehr bieten, als ihnen biologische Sachverhalte und allenfalls Praktiken des menschlichen Sexualverhaltens zu erklären. Sexualerziehung soll nämlich immer auch Erziehung zur Toleranz beinhalten und geht nicht ohne Überdenken der eigenen Vorurteile.

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Aufklärung muss darauf abzielen, dass Kinder und Jugendliche ihre eigenen Gefühle und sexuellen Bedürfnisse wahrnehmen können, mitteilen dürfen und sich nicht dafür schämen müssen. Dies fällt ihnen leichter, wenn Eltern der neugierigen Tante auf die Frage, ob die Tochter schon einen Freund habe, locker und vielleicht etwas provokativ antworten, dass sie bisher weder Freund noch Freundin hat. So kann vermittelt werden, dass jede Form von Sexualität ein normaler und integrierender Bestandteil eines Menschen ist, egal, ob hetero-, bi- oder homosexuell. «Hauptsache, man kann lieben und geliebt werden, wen und von wem spielt doch eigentlich keine Rolle», bringt es Userin Weihna im Forum auf den Punkt. Heute ist sie davon überzeugt - obwohl sie vor Jahren, als sie mit ihrem ersten Kind Weihnachten feierte, beim Gedanken, ihr Sohn könnte schwul sein, zu weinen begann.

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Info-Broschüre

Die Broschüre «Wir Eltern von Lesben und Schwulen» und der Faltprospekt «Unsere Kinder lieben anders» sind online zu bestellen auf www.fels-eltern.ch