Welches Verhältnis haben Jugendliche zu älteren Menschen? Der Beobachter fragte nach: im Schulhaus Leeacher in Ebmatingen ZH bei der Klasse von Lehrerin Stephanie Raschle und im Schulhaus Looren auf der Forch ZH bei der Klasse von Lehrerin Feride Karadayi.

Beobachter: Was ist für euch typisch alt?
Charlotte Schmidt, 17: Die Abneigung allem Neuen und Modernen gegenüber.
Janine Meier, 16: Graue Haare und Falten. Alte Menschen gehen häufig am Stock, weshalb dieser für mich wie ein Symbol für das Alter geworden ist - zusammen mit der Pfeife.

Beobachter: Was schätzt ihr an alten Menschen?
Charlotte Schmidt, 17: Wenn sie versuchen, sich in der modernen Welt zurechtzufinden, und nicht einfach bei dem bleiben, was sie kennen.
Mirco Karl, 15: Ich schätze es, dass sie viel zu erzählen haben, da sie sehr viel erlebt haben - wie zum Beispiel Kriege oder die Mondlandung. Man kann viel von ihnen lernen. Ausserdem erlebe ich sie oft als sehr grosszügig und fürsorglich.

Beobachter: Und was vermisst ihr bei ihnen?
Viktoria Kadar, 16: Bei einigen vermisse ich die Lebensfreude. Damit meine ich, dass viele nur das Negative im Leben sehen und oft verbittert scheinen.
Michael Heutschi, 16: Ich vermisse das Verständnis für die heutige Jugend. Manche gönnen einem wirklich keinen Spass! Ein Paradebeispiel ist die Badi: Die Jungen haben es lustig, spritzen mit Wasser herum, lachen und toben. Sofort kommt ein alter Mann, weist sie zurecht und mahnt sie zur Rücksicht. Bei vielen älteren Menschen vermisse ich ihr Erinnerungsvermögen - oder sind sie etwa nie jung gewesen?

Beobachter: Wie sollten sich alte Menschen kleiden - und wie auf keinen Fall?
Philippe Lerch, 16: Ein alter Mann sollte sich nicht auffällig kleiden. Das bedeutet lange Hosen und kein allzu bunter Pullover. Durchsichtige Shirts und sehr kurze Hosen oder kurze Röcke bei älteren Frauen gehen gar nicht!
Janine Meier, 16: Vor einiger Zeit habe ich eine 61-jährige Frau im Fernsehen gesehen, die sich sehr leicht bekleidet fotografieren liess. Das finde ich nicht schön, obwohl es bewundernswert ist, dass sie sich das überhaupt traut. Ältere Frauen sollten unbedingt die Finger von bauchfreien Tops lassen! Das ist auch bei uns Jungen total out.

Beobachter: Habt ihr Zugang zu alten Menschen?
Philippe Lerch, 16: Manchmal sprechen mich alte Menschen in der Bahn an und stellen mir kleine Fragen wie «Auf was für eine Schule gehst du?» oder «Was möchtest du nach der Schule tun?». Ich habe das Gefühl, dass viele alte Menschen recht einsam sind.
Viktoria Kadar, 16: Ich bin Vorsängerin in der Kirche eines Altersheims. Ich besuche die Heimbewohner jeden Monat ein bis zwei Mal. Ausserdem telefoniere ich oft mit meiner Urgrossmutter, sie ist 96, und jedes Wochenende besuche ich meine Grossmutter.

Beobachter: Sind eure Erfahrungen mit Alten vorwiegend positiv oder negativ?
Janine Meier, 16: Vorwiegend positiv! Die meisten alten Menschen sind den Jungen gegenüber sehr offen und wollen vieles von uns wissen. Das finde ich super! Was ich sehr mag, sind diese alten Frauen vom Typ Grossmutter, die uns mit Guetsli und Ähnlichem verwöhnen.

Beobachter: Was ist eine angemessene Tätigkeit für einen alten Menschen?
Mirco Karl, 15: Häkeln und Tee trinken (lacht)! Nein, ich finde, jeder sollte tun, was ihm Spass macht. Klar würde ich mich wundern, wenn ich meinen Opa auf dem Skateboard oder meine Oma beim Fussballspielen treffen würde. Alte Rollerblader finde ich auch gewöhnungsbedürftig. w
Michael Heutschi, 16: Alles, was sie möchten, solange sie damit nicht versuchen, ihr Alter zu kaschieren - das ist peinlich.

Beobachter: Wie stellt ihr euch euer Alter vor?
Mirco Karl, 15: Ich werde am Meer oder an einem See wohnen, wo ich mir jeden Abend den Sonnenuntergang ansehe. Den ganzen Tag kann ich tun, was ich will, und ich werde in ferne Länder reisen. Es kann aber auch sein, dass ich im Alter arbeiten muss, weil es die AHV nicht mehr gibt.
Janine Meier, 16: Ich lebe mit meinem Mann in einem kleinen Haus in der Nähe meiner Kinder. Ich möchte auf meine Enkel aufpassen können und nicht zu sehr von der Welt abgeschottet sein. Wir werden auch oft Ausflüge in die ganze Schweiz machen, wie meine Grosseltern das heute tun.

Beobachter: Die Alten waren ja auch einmal jung. Wie unterscheidet sich eure Generation von der Jugend von damals?
David Bachofen, 16: Die Jungen damals hatten es schwerer als wir heute. Wir werden milder erzogen. Dafür sind Kinder heute auch frecher. Ausserdem haben sie den Bezug zur Natur verloren.
Janine Meier, 16: Man musste früher viel mehr auf sein Geld achten. Meine Grossmutter erzählt mir manchmal Geschichten von früher, deshalb weiss ich das. Auch Freiheiten hatten die Jugendlichen nicht so viele wie wir. Und sie mussten häufiger arbeiten, «mitanpacken».
Michael Heutschi, 16: Die ganze Technologie unterscheidet uns! Während sie damals die Feder geschwungen haben, schreiben wir SMS und E-Mails. Ausserdem gab es keine oder sehr wenig Diskussionen: Früher galt, was die Erwachsenen sagten.

Beobachter: Was möchtet ihr den alten Menschen mitgeben?
Mirco Karl, 15: Vergleicht unsere Jugend nicht mit eurer und bringt mehr Verständnis für uns auf.
Janine Meier, 16: Seid offen für die junge Welt!
David Bachofen, 16: Geniesst die freie Zeit. Tut alles, was ihr während der Jahre der Arbeit nicht tun konntet.
Charlotte Schmidt, 17: Lebt nicht nach einem Klischee, sondern lebt euer Leben so, wie ihr es leben wollt.
Viktoria Kadar, 16: Erzählt mir eure Geschichten! Ich würde gerne erfahren, wie ihr euer Leben verbracht habt.