Die Freiheit hat tatsächlich ihre unerwarteten Tücken. Der Psychologe Erich Fromm hat ein Buch darüber geschrieben: «Die Furcht vor der Freiheit» (siehe «Buchtipp»). In unserer Kultur ist spätestens seit der Französischen Revolution Freiheit einer der höchsten Werte. Genau betrachtet hat das Wort aber nur seine verheissungsvolle Bedeutung, solange man eingeengt ist und unter Beschränkungen leidet. Freiheit ist dann einfach das Wegfallen dieser Grenzen. Ist dies aber einmal geschehen, hat man nichts in der Hand. Die Freiheit ist einfach Leere.

Das Einzige, was man mit ihr anfangen kann, ist, sie wieder mit Engagement zu füllen. Folgende Tipps können Ihnen dabei helfen:

  • Geben Sie sich eine klare Tagesstruktur.
  • Setzen Sie sich sinnvolle Ziele.
  • Beschäftigen Sie sich mit Themen, die über die eigene Selbstbehauptung hinausgehen, zum Beispiel mit Religion, Spiritualität und Lebensphilosophien.
  • Engagieren Sie sich sozial, tun Sie etwas für andere.


Jedes Projekt bedeutet allerdings wieder eine gewisse Enge, denn wenn man sich für eines entschieden hat, kann man das andere nicht gleichzeitig tun. Es ist also verständlich, dass Sie angesichts Ihrer neuen Freiheit eine Art Lampenfieber bekommen.

Vor allem in jungen Jahren halten einen Pflichten und Schwierigkeiten dauernd in Atem. Partnerprobleme, Familie, Karriere beanspruchen die ganze Aufmerksamkeit. Man erledigt eins ums andere, ohne gross zu philosophieren. Ist plötzlich viel Freiheit da, etwa ungewollt durch Arbeitslosigkeit oder sogar nach der herbeigesehnten Pensionierung, kann man in das berühmte Loch fallen. Es gibt keine Ablenkung mehr. Man wird mit den Grundbedingungen der menschlichen Existenz konfrontiert. Mit der Vergänglichkeit alles Lebendigen etwa, mit der eigenen Zerbrechlichkeit, mit der relativen Bedeutungslosigkeit alles Materiellen. Die Frage nach dem Sinn des Daseins taucht auf.

Wenn man nicht in Sachzwänge eingespannt ist, wird plötzlich deutlich, wie sehr Freiheit auch Verantwortung bedeutet. Man kann Fehler machen und muss die Konsequenzen tragen. Man kann niemandem ausser sich selbst die Schuld geben. Aber Schauspieler sagen ja, dass nach massivem Lampenfieber die Aufführung besonders gut elinge. Genauso signalisiert die Angst vor der Freiheit, dass hier eine grosse Chance steckt, neue Wege zu finden, neue Erfahrungen zu machen, reifer zu werden und in seiner Persönlichkeitsentwicklung voranzukommen.

Buchtipp
Erich Fromm: «Die Furcht vor der Freiheit»; dtv, München 2003, Fr. 15.20