Die Bündner Justiz reagiert auf die vom Beobachter (Beobachter 13/99) aufgedeckten Missstände im Alters- und Pflegeheim Samedan: Der zuständige Bezirksrichter hat bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet. Jetzt wird abgeklärt, ob die unhaltbaren Zustände, die unter der umstrittenen Stationsschwester R. in der Pflegeabteilung des Alterheims Oberengadin herrschten, strafrechtlich zu ahnden sind. Es kam zu ungeklärten Todesfällen, und wichtige Pflegedokumente sind verschwunden.

Druck macht auch die parteilose Kantonsrätin Nicoletta Noi. Sie hat eine von 14 Ratsmitgliedern mitunterzeichnete Motion eingereicht. Gefordert werden Nachträge zum Bündner Gesundheitsgesetz. Künftig sollen die Patientinnen und Patienten jederzeit in die medizinischen und krankenpflegerischen Unterlagen Einsicht nehmen können. Zudem wollen die Motionäre alle Spitäler und Pflegeheime verpflichten, Patientenunterlagen mindestens zehn Jahre lang aufzubewahren.

Nicoletta Noi hat auch Einsicht in den unveröffentlichten Bericht des Qualitätsbeurteilungsteams verlangt, der zur Anzeige bei der Bündner Staaatsanwaltschaft geführt hat. Noi: «Es ist höchste Zeit. Die Fakten müssen jetzt endlich auf den Tisch.»