Wer sich auf eine bevorstehende Prüfung nicht vorbereitet, muss nicht jammern, wenn er durchrasselt - ohne Fleiss kein Preis. Und wer übers Jahr nicht spart für die grossen Sommerferien, ist selber schuld, wenn er auf Balkonien versauert - von nichts kommt nichts.

Entsprechend machen sich die meisten Menschen Gedanken über ihre Pensionierung. Schliesslich weiss man ein ganzes Leben lang, dass der Tag X kommt. Wer sich vor der Vorbereitung trotzdem drückt - etwa weil er denkt, dass es ohnehin kommt, wie es kommt -, für den ist der Tag der Pensionierung wie eine Vollbremsung auf der Autobahn, gewissermassen von 120 auf 0.

Verluste gehören dazu
Die 65-jährige Trudy Hopfner konnte sich nicht vorstellen, mitten in der Fahrt einen Stopp zu reissen. Deshalb nimmt die Arbeitsrechtsspezialistin des Beobachters den Fuss nur langsam vom Gaspedal. Seit sie das Rentenalter erreicht hat, beantwortet sie nur noch an zwei Morgen pro Woche am Beratungstelefon Fragen von Ratsuchenden. «Das reduzierte Pensum gibt mir Gelegenheit, mich langsam an mein Leben als Rentnerin zu gewöhnen», sagt sie.

Jede Pensionierung ist mit kleineren und grösseren Verlusten verbunden: «Ohne grosses Dazutun sind im Berufsleben immer wieder Kontakte zu Menschen gewährleistet. Nach der Pensionierung läuft das nur noch über das individuelle soziale Beziehungsnetz», sagt Barbara Stettler von der Pro Senectute.

Das sieht auch Trudy Hopfner so: «Deshalb pflegte ich schon immer meinen Freundeskreis und ging schon vor der Pensionierung meinen Hobbys nach, sofern ich Zeit hatte.» Sagts, schaltet den Computer aus und macht Feierabend, während ihre Kollegen zur Mittagspause gehen. Sie aber geht auf den Tennisplatz - ein Hobby, für das sie früher nicht so viel Zeit hatte.

Im Arbeitsalltag kommen Freizeitbeschäftigungen oft zu kurz. Mit der Pensionierung aber können Hobbys ausgebaut und intensiviert werden - sofern man welche hat. «Viele im Pensionsalter haben nie gelernt - oder es wieder verlernt -, die freie Zeit sinnvoll zu gestalten», weiss Barbara Stettler. Wann auch? Man hat gearbeitet, hat sich ausgeruht, ist Familienpflichten nachgekommen - und hat die Freizeitplanung allzu oft an den Partner oder die Partnerin delegiert. Wer hingegen aktiv und gesund lebt, wer sich für sich, seine Mitmenschen und das Weltgeschehen interessiert, hat gute Chancen auf eine selbstbestimmte Lebensphase im Alter.

Informationen, Tipps und Beratung bieten Pensionierungsseminarien. In diesen Kursen von der Pro Senectute geht es nicht nur um Gesundheit im Alter oder rechtliche und finanzielle Fragen, sondern auch um die psychischen und sozialen Aspekte. Stettler hält es für sinnvoll, «wenn Ehepaare gemeinsam in diese Seminare kommen, denn sie müssen ihre Rolle mit der Pensionierung neu definieren, die Wohnsituation und die Finanzen überprüfen und sich überlegen, was die Pensionierung für die Partnerschaft bedeutet».

Und gemeinsam soll man auch Beziehungen pflegen, sich dabei aber immer wieder fragen, ob man einen eigenständigen Freundeskreis hat - der auch noch da sein wird, sollte man das Leben dereinst allein weiterführen müssen.

Mit der Pensionierung auseinandergesetzt hat sich Trudy Hopfner nach dem 50. Geburtstag. «Finanziell gesehen bereitet man sich ja zwar schon in der Stifti darauf vor, wenn man erstmals AHV bezahlt», lacht sie.

Nützliche Fragen zur Vorbereitung

Barbara Stettler empfiehlt, dass man sich in der Lebensmitte, so zwischen 45 und 55, mit der dritten Lebensphase gezielt auseinandersetzt und bewusst innehält. Nützliche Fragen sind:

  • Was ist in meinem Leben geglückt, wovon will/muss ich mich verabschieden?
  • Welche Ziele und Wünsche habe ich?
  • Welche Fähigkeiten möchte ich weiterentwickeln?
  • Welche finanziellen Mittel stehen mir nach der Pensionierung zur Verfügung?


Viele mögen noch nicht an ihre alten Tage denken - obwohl man mit der Pensionierung alles andere als alt ist. «Mit Beginn des Pensionsalters haben viele Menschen Jahre oder sogar Jahrzehnte ohne grössere gesundheitliche Einschränkungen vor sich», sagt Barbara Stettler.

Auch Trudy Hopfner fühlt sich noch nicht alt: «Alt bin ich dann, wenn mir Radio DRS in der Morgensendung zum Geburtstag gratuliert!» Bis dahin hat die rüstige Rentnerin noch 30 Jahre Zeit. In diesen Jahren kann viel Neues entdeckt, auf Altem aufgebaut oder Altbewährtes überdacht werden. Und wichtig ist beim Älterwerden nicht nur die körperliche Gesundheit. Genauso viel zählt die Fähigkeit, herzliche Beziehungen zu anderen einzugehen und sich für das Leben verantwortlich zu fühlen.

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Vorbereitung auf die Pensionierung

Kontakte über Pro Senectute, Kompetenzzentrum Altersvorbereitung, Zürich; www.pensionierungskurse.ch