Ich bin 40 Jahre alt, verheiratet und habe drei Kinder; das älteste ist 16, das jüngste 9. Meine Sucht nahm ihren Anfang, nachdem ich mit einem Kollegen im deutschen Casino Baden-Baden gespielt hatte. Damals war ich selbstständig, das Geschäft lief eigentlich ganz gut. Bald spielten wir regelmässig einmal in der Woche; später zockte ich nur noch allein in verschiedenen Automatenkasinos. Das ist eine sehr einsame Sache: Man spielt allein und verliert allein.

Ich musste mit richtigem Geld spielen – mit Chips hätte ich nicht den gleichen Kick gehabt. Zwischendurch gewinnt man ja immer wieder mal – das hält einen Spieler am Leben. Trotzdem, Geld hatte für mich keinen Wert mehr. Den Gewinn, und war er noch so hoch, verspielte ich gleich wieder.

Am Anfang verjubelte ich Kundengelder, danach musste ich Kredite aufnehmen. So kamen 370000 Franken Schulden zusammen. Ich war besessen vom Spielen, das merkte bald auch meine Frau. Dank ihr habe ich den Rank endlich gefunden. Sie hilft mir, die Schulden abzuzahlen. Und mit einem Freund habe ich eine Selbsthilfegruppe gegründet. Geholfen hat mir auch eine Schwitzhütten-kur: Ich erhielt wieder ein Gefühl für meinen Körper und für die Wirklichkeit.

Das Pech der Spieler ist es, dass man sie nicht erkennt: Sie sind gepflegt, stinken nicht nach Alkohol, haben keine Einstiche an den Armen. Wenn die Kasinobetreiber jetzt einen Sozialplan aufstellen müssen, ist das ja gut und recht. Es wird aber nichts bringen: Ein Spieler findet immer wieder einen Weg. Er ist ein Süchtiger, der bis in die letzte Faser seines Körpers gesteuert wird von einem Gedanken: Ich muss spielen.

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Wenn ich heute in einem Restaurant einen Automaten sehe, kümmert mich das nicht mehr gross. Aber klar ist: Das Rückfallrisiko bleibt ein Leben lang.»