SVP-Nationalrat Alexander J. Baumann, Doktor der Rechte und Rechtsanwalt, wurde 2002 einziger Verwaltungsrat der Vetterli AG – und kurz darauf auch noch Vormund des Alleinaktionärs der Firma. Damit war er jahrelang quasi Kontrolleur und Kontrollierter in Personalunion. Die Vetterli AG besitzt drei Liegenschaften mit insgesamt rund 50 Wohnungen an bester Lage in Kreuzlingen TG mit einem geschätzten Wert von fünf bis sechs Millionen Franken.

«Die Hände davon lassen»

«Heikel, äusserst heikel», kritisiert Christoph Häfeli, Experte im Vormundschaftsrecht und ehemaliger Rektor der Hochschule für Soziale Arbeit Luzern. «Ist ein Vormund zugleich einziger Verwaltungsrat der AG ­seines Mündels, sind Inte­res­senkollisionen äusserst wahrscheinlich. Ein Dr. iur. und Rechtsanwalt sollte das eigentlich wissen und die Hände davon lassen.» Auch für Yvo Biderbost, Leiter des Rechtsdienstes der Zürcher Vormundschaftsbehörde, ist Baumanns Doppelrolle problematisch. «Da muss eine Vormundschaftsbehörde einschreiten und für die AG beim Gericht einen unabhängigen Sachwalter beantragen.»

Alexander J. Baumann hat kein Problem mit seinem Doppelmandat, für das er jährlich ein Honorar von rund 8000 Franken bezog. «Die Vormundschafts­behörde hat ja gewusst, dass ich Vormund und zugleich Verwaltungsrat war. Ich habe jährlich über meine Tätigkeit Bericht erstattet.» Vor etwa einem Jahr ist sein Mündel verstorben. Baumanns Schlussbericht wurde Mitte Januar von der Kreuzlinger Vormundschaftsbehörde anstandslos genehmigt.

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Dort verteidigt man das problematische Vorgehen damit, dass die Vetterli AG kein komplexes Unternehmen sei. «Es sind nur Liegenschaften zu verwalten», meint Vormundschaftssekretär René Oeggerli. In Baumann habe man Vertrauen gehabt, weil er ein langjähriger Freund der Familie Vetterli gewesen sei. Etwas Selbstkritik klingt dann aber doch noch durch: «Wenn etwas passiert wäre, hätte man uns wohl zu Recht Blauäugigkeit vorgeworfen.»