Mit der Anzahl Seniorinnen und Senioren wächst weltweit auch das Interesse der Wissenschaft am Alter. Nicht allein Mediziner und Gerontologen, auch Psychologen, Soziologen und Anthropologen aller Nationalitäten jagen einan-der mit Erkenntnissen. So widersprüchlich manche sind, sie zeigen, dass das Alter keine Krankheit ist, sondern eine Lebensphase, in der vieles möglich ist.

Alter schützt vor Krisen

Werden ältere Menschen gefragt, ob sie sich im Lauf der Dekaden verändert hätten, antworten diese meistens mit «kaum». Wenn man aber ihr Verhalten testet, so zeigen sich sehr wohl Entwicklungen – und zwar mehr zum Guten als zum Schlechten. Zu diesem Schluss kamen Forscher der Universität von Florida, die Dutzende von Studien zur Persönlichkeits- und Gefühlsentwicklung verglichen. So erkannten sie etwa, dass ältere Menschen in der Regel ausgeglichener, weniger neurotisch und weniger krisenanfällig sind als jüngere.

Hörgerät als Gedächtnisstütze

An der Vergesslichkeit ist nicht immer das Gehirn schuld – manchmal sind es die Ohren. Psychologen der Brandeis-Universität fanden heraus, dass Schwerhörige einen grossen Teil ihrer Hirnleistung brauchen, um die Bedeutung von Wörtern während des Hörens zu erfassen. Diese Kapazität fehle danach für das Abspeichern des Gehörten im Gehirn.

Spazieren gegen die Demenz

Das Trottoir und der Wanderweg sind die besten Freunde des Gehirns. Menschen, die regelmässig gehen, erinnern sich besser und denken klarer. Denn Bewegung fördert das Wachstum neuer Hirnzellen – und zwar genau in jenen Regionen, die für das Lernen und das Gedächtnis zuständig sind. Forscher der Universität von Virginia fanden zudem heraus, dass das Demenzrisiko bei Betagten, die täglich einen längeren Spaziergang machen, halb so hoch ist wie bei Stubenhockern.

Freunde wichtiger als Familie

Gute Nachricht für ältere Singles: Eine Langzeitstudie an der australischen Flinders-Universität zeigt, dass Freunde einen grösseren Einfluss auf die Lebenserwartung haben als die Familie. Die Forscher vermuten, dass Freunde in schweren Zeiten die Stimmung und das Selbstwertgefühl steigern. Und dass man eher auf gute Kollegen hört, wenn man sich zum Beispiel schlechte Gewohnheiten abgewöhnen und gesünder leben möchte.

Wie das Herrchen, so der Hund

Alte Hunde und neue Tricks passen nicht zueinander – so die landläufige Meinung. Falsch, besagt eine Studie der Universität Toronto mit Spürhunden. Es erwies sich vielmehr, dass regelmässige körperliche Aktivität, kombiniert mit geistigem Anreiz und einer vitaminreichen Diät, das alternde Hundehirn in Topform bringen kann. Diese Resultate sind nicht nur für Fido, sondern auch für Herrchen interessant. Denn das Hundehirn altert ähnlich wie jenes des Menschen.

Nicht vergessen: Blumen schenken

Wer Oma und Opa ein Geschenk machen will, kaufe ihnen keine Pralinés, sondern Blumen. Sie machen auf die Dauer glücklicher, sagen Forscher der Rutgers-Universität in New Jersey. Sie schenkten den Testpersonen allerlei Kleinigkeiten. Doch nur die, die Blumen erhielten, reagierten spontan mit einem Lächeln. Mehr noch: Sie zeigten sich andern Menschen gegenüber offener. Und bei Betagten in einem Altersheim stieg gar die Gedächtnisleistung, nachdem sie Blumen überreicht bekamen.

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