Interessanterweise war das bis vor 80 Jahren genau umgekehrt: Blau galt als weibliche Farbe - abgeleitet vom Madonnenblau in der Malerei. Rot als die Farbe Christi war männlich besetzt. Babys kleidete man bis dahin konsequent in Weiss. Anfang des 20. Jahrhunderts dann sahen die Menschen bei der Farbe Blau offenbar immer weniger einen Zusammenhang mit Maria. Zugleich kamen blaue Marineuniformen auf und die indigoblaue Kleidung der Arbeiter. Ausserdem war es nun auch möglich, kochfeste Farben her zustellen, so dass künftig die Knaben statt weisser blaue Kleidung bekamen und Mädchen solche in Rosa.

Seither hat sich diese Zuordnung nicht mehr verändert. Und das ist gut so, zumindest wenn man den neusten Erkenntnissen der Wissenschaft vertraut. Die Psychologen Anya Hurlbert und Yazhu Ling wollten in einer Untersuchung der Universität Newcastle bei 208 Versuchspersonen im Alter zwischen 20 bis 26 Jahren ihre bevorzugte Farbe wissen. Es mochten zwar alle Blau, Frauen tendierten jedoch eher zu rötlichen Farbnuancen.

Die Wissenschaftler vermuten, der Mensch schätze Blau, weil ein klarer blauer Himmel für die Vorfahren in der Savanne ein positives Zeichen gewesen sei. Überdies sind in der Gemeinschaft der frühzeitlichen Jäger und Sammler die Frauen für das Sammeln verantwortlich gewesen. Reife rote oder gelbe Früchte zu erkennen sei für die Frauen von grosser Bedeutung gewesen, hielt Anya Hurlbert fest und provozierte damit grossen Widerspruch in der Wissenschaft. Für andere Forscher ist die Vorliebe für bestimmte Farben nur eine Frage der Sozialisation, also der Art und Weise, wie jemand aufgewachsen ist und dabei beeinflusst wurde.

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