Koni Rohner, Psychologe FSP:

Es lässt sich nicht bestreiten, dass eine neue sexuelle Begegnung etwas Aufregendes ist. Aber eine langjährige Beziehung kann sexuell genauso befriedigend sein. Die neue Begegnung hat nämlich den Nachteil, dass man gegenseitig die Vorlieben und speziellen Fähigkeiten auf sexuellem Gebiet noch nicht kennt. Das Liebesspiel kann also ziemlich ungeschickt ausfallen.

In einer langjährigen Beziehung ist zwar der Kick des Neuen nicht mehr vorhanden, doch das Vertrauen und die gegenseitige Kenntnis sind viel grösser. Man kann sich immer weiter vorwagen, und man lernt immer besser, seine Wünsche auszudrücken und den Partner oder die Partnerin zu erregen.

Ihre Lust auf andere Frauen ist sicher nicht krankhaft, doch vielleicht ist das Erlöschen des sexuellen Begehrens in Ihrer Partnerschaft ein wenig neurotisch bedingt. Es könnte beispielsweise sein, dass Sie durch unbewusste Schamgefühle gehemmt werden. Oder dass Ihr Begehren in zu viel Nähe erstickt und Sie nicht die Fähigkeit haben, für jenen Abstand zu sorgen, der die Spannung aufrechterhält.

Ich empfehle Ihnen, der Sache entweder in einer Paar- oder Einzeltherapie nachzugehen; allfällige neurotische Verstrickungen dürften sich dabei auflösen. Oder aber Sie werden in Ihrer Partnerschaft von sich aus experimentierfreudiger und fantasievoller. Ob nun Reizwäsche, Tantrakurse oder Bücher über verschiedene Stellungen und Liebestechniken: Vieles kann das eingeschlafene Begehren wieder wecken.

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