Sie haben an alles gedacht, alles ist eingepackt, nichts wurde vergessen - jetzt müssen nur noch der Kühlschrank, der Kompost- und der Abfalleimer geleert werden. Und Sie haben sich fest vorgenommen, dass Sie sich nicht bis zur letzten Minute abrackern und dann erschöpft im Morgengrauen aufbrechen. Gut so! Nun könnte sie beginnen, die schönste Zeit des Jahres – die für viele alles andere als schön ist.

Das Beobachter-Beratungszentrum kann statistisch belegen, dass Ferien für viele der Anfang vom Ende sind: Nach den Ferien bekommen die Beobachter-Beraterinnen und Berater immer überdurchschnittlich viele Anfragen zu Themen wie Scheidung und Trennung. Kein Wunder: In unserer auf Erfolg getrimmten Gesellschaft müssen auch die Ferien ein Volltreffer sein, sind die Erwartungen oft übersteigert – und Enttäuschung, Streit und Unzufriedenheit programmiert. Viele Ferienreisende haben zudem Mühe, vom strukturierten Arbeitsrhythmus ins erhoffte Dolcefarniente zu wechseln. Viel zu vieles, wofür man im Alltag keine Zeit hat oder sich keine Zeit nehmen will, wird auf die Ferien verschoben und muss dort kompensiert werden.

Machen Sie sich keinen Druck

Im Urlaub wünschen sich alle, dass das Wörtchen «müssen» nie auftaucht. Schön wärs: Statt lustvoll die freie Zeit zu geniessen, unterwerfen sich die meisten dem Druck, geniessen zu müssen und möglichst viel Zeit zusammen verbringen zu müssen. Wie im Alltag sollte auch in den Ferien jeder seinen eigenen Interessen nachgehen können: Wenn ein Paar plötzlich 24 Stunden zusammenklebt, kann das ganz schön anstrengend werden.

Ratsam ist, vor den Ferien die Erwartungen zu klären: Konflikte werden geschürt, wenn Befürchtungen, Hoffnungen und Wünsche nicht transparent sind und übergangen werden. Schwierig bleibt es so oder so, die Sehnsucht nach Erholung, Freiheit, Geborgenheit und Abenteuer unter einen Hut zu bringen. Deshalb sollte während des Urlaubs immer wieder überprüft werden, ob die Feriengestaltung für alle zufriedenstellend ist. Sonst freuen sich alle bloss noch auf die Heimkehr – und sind, wieder zu Hause, ferienreif.

Stress, lass nach!

  • Gehen Sie alles langsam an. Lassen Sie sich Zeit, in Ferienstimmung zu kommen.
  • Schaffen Sie sich Freiräume und gönnen Sie auch den anderen Zeit für sich. Bedenken Sie, dass Sie es vielleicht gar nicht gewohnt sind, so intensiv mit Partner, Partnerin und Kindern zusammen zu sein.
  • Erlauben Sie sich, nicht immer locker, lässig und entspannt drauf zu sein. Wenn Sie ungute Gefühle an- und aussprechen, können Sie Missstimmungen eher beseitigen.
  • Versuchen Sie, flexibel zu bleiben, denn die Ferien sind selten so wie im Prospekt.