Auf dem Papier und vor dem Gesetz ist die Gleichstellung von Frau und Mann in der Schweiz praktisch erreicht. In der Realität sieht es jedoch in vielen Lebensbereichen nach wie vor anders aus. Wenig verändert hat sich in den letzten 20 Jahren insbesondere in Sachen Kindererziehung und Hausarbeit. So waren im vergangenen Jahr rund acht von zehn Frauen in Paarhaushalten mit Kindern unter 15 Jahren allein verantwortlich für die Besorgung des Haushalts. Mitte der neunziger Jahre waren es neun von zehn Frauen. Dies ist insofern erstaunlich, als im gleichen Zeitraum die Erwerbsquote gerade auch bei den Frauen mit schulpflichtigen Kindern laut Bundesamt für Statistik (BfS) «deutlich» gestiegen ist. Insgesamt sind heute drei Viertel der Männer und 60 Prozent der Frauen erwerbstätig oder auf Stellensuche.

Sie, er oder beide: Wer die Hausarbeit macht
Paarhaushalte ohne Kinder, Hauptverantwortliche/r:

1997        
% 72 23 4

2007        
% 62 31  5

Paarhaushalte mit dem jüngsten Kind zwischen 0 und 14 Jahren:

1997        
% 90 7 1

2007        
% 82 14 2

Legende:  Frau     gemeinsam     Mann     andere

Quelle: BFS

Um Beruf und Familie möglichst unter einen Hut bringen zu können, arbeiten sechs von zehn Frauen Teilzeit. Anders die Männer: Zwar geben rund 80 Prozent an, für eine gleichberechtigte Beziehung und partnerschaftliche Aufgabenteilung zu sein - ihr Arbeitspensum reduziert haben laut BfS aber lediglich zwölf Prozent.

Auch in der Arbeitswelt gibt es weiterhin deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. In Chefpositionen sind Frauen klar untervertreten: Sechs von zehn Frauen, aber nur vier von zehn Männern sind Angestellte ohne Vorgesetztenfunktion. Und: Die Löhne der Frauen sind im Durchschnitt noch immer deutlich tiefer als jene der Männer. Dabei können laut BfS nur 60 Prozent der Differenz durch objektive Faktoren wie Erfahrung oder Ausbildung erklärt werden. Rund 40 Prozent des Lohnunterschieds seien hingegen «als Lohndiskriminierung zu werten».

Gute Fortschritte hat die Gleichstellung von Frau und Mann vor allem im Bildungsbereich gemacht. Zwar weisen Frauen zwischen 25 und 64 Jahren im Allgemeinen noch immer einen tieferen Bildungsstand auf. Und in Bezug auf die Doktoratsabschlüsse und den Professorinnenanteil an Hochschulen steht die Schweiz europaweit auf den hintersten Rängen. Doch die Frauen holen auf. So hat sich der Anteil der Professorinnen an Unis seit 1995 mehr als verdoppelt (von 5,7 auf 14,6 Prozent). Bei den Uni-Abschlüssen haben die Frauen inzwischen gar die Nase vorn. 1990 machten 4,9 Prozent der Frauen einen solchen, 2007 waren es 15,6 Prozent. Bei den Männern wuchs dieser Anteil von 9,6 auf 14,9 Prozent.

Auch die Politik ist weiblicher geworden. Heute sitzen im 200-köpfigen Nationalrat 59 Frauen, im Jahr 1991 waren es 35, 1971 noch deren 10 gewesen.

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