Wohl kaum. Wer liebt, spürt, wenn es dem Partner schlecht geht. Wir nehmen vom Gegenüber nicht nur den Inhalt seiner Worte wahr, sondern auch Tonfall, Mimik und Körperhaltung. Wir registrieren und interpretieren eben auch nonverbale Signale. Es ist durchaus möglich, dass der Körper Ihres Mannes eine depressive Stimmung ausdrückt, die er vielleicht selber gar nicht spürt, sondern verdrängt. Sie helfen ihm am meisten, wenn Sie keinen Druck ausüben, keine Verantwortung übernehmen, sondern einfach sagen, was Sie sehen und fühlen. Etwa so: «Obwohl du sagst, es gehe dir gut, fallen mir deine hängenden Schultern und deine sorgenvolle Miene auf. Du gehst gebückt, als ob du eine Last tragen müsstest. Ich mache mir Sorgen um dich, weil ich dich liebe.» So geben Sie Ihrem Mann zwar ein klares Feedback, lassen ihm aber die Freiheit, selber Hilfe zu suchen.

Ein einfacher Satz kann viele Botschaften haben
Der deutsche Psychologieprofessor Friedemann Schulz von Thun hat gezeigt, welche Botschaften in einem Satz verborgen sein können. Ein Mann sagt beispielsweise zu seiner Ehefrau, die am Steuer sitzt: «Die Ampel da vorne ist rot!» Neben der Sachmitteilung kann da auch ein Appell drinstecken: «Tritt endlich auf die Bremse!» Oder eine Mitteilung über die Beziehung: «Ich traue deinen Fahrkünsten nicht!» Oder: «Ohne meine Hilfe wärst du gar nicht fähig, ein Auto zu lenken.» Je nach Tonfall, den bisherigen Erfahrungen in der Ehe oder der eigenen Empfindlichkeit wird die Frau beleidigt sein oder sich bedanken.

Ein spannendes Kapitel im nonverbalen Ausdruck ist die Körpersprache: Wenn jemand die Arme verschränkt und die Beine übereinander geschlagen hat, ist er wohl eher verschlossen oder glaubt, sich schützen zu müssen. Wer die Arme in die Seiten stemmt, ist eher dabei, sich durchzusetzen, als sich anzupassen. Wer optimistisch ist, wird den Kopf hoch tragen und ihn nicht senken – wer traurig ist, nicht hüpfen oder beschwingt daherschreiten. Wer Angst hat, wird die Schultern hochziehen, wer Wut unterdrückt, vielleicht die Lippen zusammenpressen. Wer die Körpersprache des Gegenübers beachtet und sie zum Anlass nimmt, genauer nachzufragen, kann dadurch sein Verständnis für die Mitmenschen stark erweitern.

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