Leider überhaupt nicht, denn erstens kommt es nie gut, wenn man Helfer- und Partnerbeziehung vermischt. Ungesunde Verstrickungen und Komplikationen lassen sich vermeiden, wenn seelische Hilfe von professionellen Personen mit klarer Abgrenzung und klarem Auftrag kommt. Zweitens kann nur jemandem geholfen werden, der sich als hilfsbedürftig empfindet und Hilfe sucht, was bei Ihrem Bekannten vielleicht gar nicht der Fall ist.

Drittens ist eine Entscheidung immer individuell. Andere können einem zwar raten, aber entscheiden muss man immer selber. Auch nicht zu entscheiden und die Entscheidung jemand anderem zu überlassen, ist eine Entscheidung. Sie können Ihrem Freund also lediglich Ihre Wünsche mitteilen und müssen abwarten, ob er sie erfüllen kann oder will.

Nachdem er bereits zehn Jahre allein lebt, hat er sich nämlich möglicherweise bereits für ein Leben als Single entschieden. Er würde damit zu den geschätzten 800'000 Menschen in der Schweiz gehören, die diese Lebensform pflegen. Während man 1960 laut Statistik noch 14 Prozent Einpersonenhaushalte zählte, waren es im Jahr 2000 bereits 35 Prozent. Single sein hat Vorteile, vor allem wenn man jung ist. Man erlebt Ungebundenheit, vermeidet Beziehungsstress und Knatsch, hat viel Zeit für sich selber sowie die Entfaltung seines Wesens und die Möglichkeit häufig wechselnder sexueller Begegnungen ohne Schuldgefühle.

Viele Singles warten im Grunde auf den Idealpartner
Im Gefolge der gesellschaftlichen Revolution von 1968 galten die Kleinfamilie und partnerschaftliche Treue als spiessig, und in der Yuppie-Kultur der Achtziger wurde der Single zum eigentlichen Ideal. Heute werden auch die Nachteile wieder deutlicher gesehen. So zeigen Umfragen, dass es zum Beispiel mit dem wilden Sexualleben nicht so weit her ist. Menschen in festen Beziehungen haben häufiger und besseren Sex. Die Kehrseite der Unabhängigkeit ist die Einsamkeit. Damit das Alleinsein, vor allem an Wochenenden, nicht zum Schreckgespenst wird, brauchen Singles einen grossen Freundeskreis, den sie aktiv pflegen müssen, oder Lieblingsbeschäftigungen, denen sie mit Engagement und Leidenschaft auch allein nachgehen können.

Viele Singles haben ihre Lebensweise nicht absichtlich gewählt, sondern sind zufällig hineingeraten. Sie warten im Grunde auf den Idealpartner und möchten nichts lieber, als sich wieder einmal anlehnen und etwas geborgen fühlen. Es tut eben auch gut, Freud und Leid mit einer langjährig vertrauten Person zu teilen. Auch die Konflikte, die in einer nahen Beziehung notgedrungen auftauchen, müssen nicht unbedingt als negativer Stress, sondern können auch als Entwicklungschance gesehen werden. Jeder fünfte Single verbindet sich denn auch nach einer gewissen Zeit wieder mit einem Partner.

Sie haben also durchaus eine Chance, dass sich Ihr Bekannter doch noch für eine engagierte Beziehung mit Ihnen entscheidet – wenn Sie ihn nicht durch zu viel Druck und Ungeduld verscheuchen. 

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