Ich kann Ihre Bestürzung gut verstehen, und es würde mich auch nicht wundern, wenn Sie sehr traurig oder wütend wären. Es ist ein Schock, einen geliebten Menschen so unerwartet zu verlieren. Ob Ihnen dies jetzt endgültig passiert ist oder ob er zurückkommt, wenn die Schmetterlinge nicht mehr flattern, weiss natürlich niemand. Deshalb ist unklar, ob Warten sinnvoll ist oder ob Sie sich besser abwenden.

Taktische Manöver bringen in der Liebe nichts
Eine Strategie zur Wiedergewinnung eines Partners gibt es leider nicht. Aber es wird Sie bestimmt erleichtern, wenn Sie Ihre Gefühle nicht unterdrücken oder hinunterschlucken, sondern ihm eben sagen, wie sehr Sie leiden oder wie enttäuscht Sie sind.

Trennungen sind tatsächlich etwas vom Schmerzhaftesten, was wir im Leben ertragen müssen. Es kann der Tod sein, der uns jemanden entreisst, oder wir leiden unter dem Auseinanderbrechen einer Beziehung. Kaum jemand wird von solchen Situationen verschont. Das Absolute des Sterbens ist äusserst deutlich: Wir sehen ein, dass uns nur die Trauerarbeit bleibt.

Wenn uns hingegen die Partnerin oder der Partner verlässt, um ohne uns weiterzuleben, glauben wir viel eher, es müsste oder sogar dürfte nicht sein. Wir suchen nach Ursachen, nach Fehlern in der Vergangenheit. Wer ist schuld daran, der Partner oder ich? Wir entwickeln Strategien, wie wir ihn halten oder wieder zurückholen könnten. Dabei ist beides unfruchtbar: Die Vergangenheit ist vorbei und lässt sich nicht mehr ändern; die Liebe ist mit taktischen Manövern nicht wirklich zu beeinflussen.

Das Wichtigste ist auch in dieser Krisensituation das Hier und Jetzt: Man muss mit Herz und Verstand die Situation klären. Dabei geht es darum, die eigenen Gefühle deutlich wahrzunehmen. Ebenso wichtig ist es aber, sich in die Situation des andern einzufühlen, ohne sie zu werten oder verändern zu wollen. Meist sind die Flüchtigen in jemand anderen verliebt, auch wenn sie nicht unbedingt dazu stehen. Wer das klar sieht, dem vergeht meist die Lust, den andern halten zu wollen: Wer will schon einen Lebenspartner oder eine Partnerin, der oder die jemand andern liebt.

Ehrlichkeit ist selten zu erwarten
Meist werden aber leider in diesem Punkt die Karten nicht auf den Tisch gelegt. Der Verlassene will die Wahrheit nicht sehen, und der Aussteiger verbirgt sie, um Schuldgefühle zu vermeiden oder um nicht zu verletzen. Er spricht lieber über sein plötzliches Freiheitsbedürfnis, die angeblichen Fehler des Partners oder die Mängel der Beziehung. Leider ist es wahrscheinlich ganz natürlich, dass sich die meisten mehrmals im Leben von verschiedenen Menschen angezogen fühlen. Und weil heute die Selbstverwirklichung zu einem äusserst wichtigen Wert geworden ist, kommt es eben so häufig zu Trennungen.

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