Das Problem:

Seit mehreren Jahren bin ich mit einem Mann zusammen, der sich früher einmal unterbinden liess. Mein grösster Wunsch wäre ein Kind, aber er will und kann keines haben. Meine Liebe bedeutet mir alles, aber ich spüre, dass ich unglücklich würde, wenn ich das Wunder eines Kindes nie erleben könnte. Wir sind völlig verzweifelt. Nora G.

Koni Rohner, Psychologe FSP:

Da sind Sie wirklich in einem belastenden Dilemma. Grundsätzlich lässt sich zwar eine so genannte Vasektomie durch eine Operation wieder rückgängig machen; die unterbrochenen Samenleiter werden dabei wieder verbunden. Die Erfolgsquote hängt aber von zahlreichen Bedingungen ab. Und so, wie Sie es darstellen, wünscht sich Ihr Partner ja auch kein Kind. Vielleicht sollten Sie hier ohne Druck nachprüfen, ob seine Entscheidung wirklich definitiv ist, und zu verstehen versuchen, welches seine Motive sind.

Abgesehen davon sehe ich eigentlich nur drei Lösungsmöglichkeiten: Entweder Sie verzichten auf ein eigenes Kind, oder Sie beenden diese Liebesbeziehung und hoffen, bald einen Partner zu finden, mit dem Sie ein Kind haben möchten und können. Wann dies klappt und ob überhaupt, steht allerdings in den Sternen. Als dritte Variante versuchen Sie, ein Kind zu adoptieren, und bleiben in der jetzigen Partnerschaft.

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Alle drei Wege scheinen unbefriedigend, mit Verzicht oder mit Schmerzen verbunden zu sein. Jetzt geht es nur darum, herauszufinden, welches die richtige Entscheidung für Sie ist. Etwas müssen Sie in jedem Fall opfern. Obwohl Ihnen dies wahrscheinlich ein schwacher Trost ist, kann ich Ihnen versichern, dass es im Leben jedes Menschen solche Situationen gibt.

Grundsätzlich habe ich übrigens beobachtet, dass die Frage «Kind oder nicht?» den innersten Kern einer Partnerschaft berührt. Dies wird auch bei einer ungewollten Schwangerschaft deutlich. «Ich will kein Kind» heisst eben sehr oft auch: «Ich will mit dir kein Kind.» Und das berührt zentrale Beziehungsthemen wie Echtheit der Liebe, Vertrauen, Solidarität, Entscheidung und Verantwortung. Irgendwo in den archaischen Tiefen unserer Seele gehört eben zur grossen Leidenschaft auch der Wunsch, ein gemeinsames Kind zu zeugen. Man muss ihn nicht unbedingt in die Realität umsetzen, aber wenn einem bereits der Gedanke daran Angst macht oder Widerstände hervorruft, sollte man noch einmal über die Bücher, was die betreffende Beziehung betrifft.

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