Koni Rohner, Psychologe FSP:

Sie haben Recht! «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.» So heisst es schliesslich schon in der Bibel. Warum also nicht gleich bei sich selbst anfangen?

Aber woher kann man die Kraft nehmen, sich selbst zu lieben? Ich bin überzeugt davon, dass nur lieben kann, wer am eigenen Leib Liebe erfahren hat oder aktuell erfährt. Was machen aber diejenigen, denen das Leben dieses Erlebnis bisher verweigert hat?

Auch hier ist es die Psychotherapie, die neue Wege ermöglichen kann: Man wird in der Therapie zwar nicht so geliebt wie in einer Zweierbeziehung. Aber man erfährt immerhin eine Art selbstloser Zuwendung und Akzeptanz von einer einfühlsamen Person, die selber nichts von einem will ausser natürlich das abgesprochene Honorar für die Sitzungen.

Aus eigener Erfahrung als Therapeut und als Klient weiss ich, dass diese Art von Begegnung zu einer Befreiung der Liebesfähigkeit führt. Die «wahre Liebe» erfährt man schliesslich ausserhalb der Therapie nämlich dann, wenn die Zeit reif ist dafür. Denn Liebe ist nicht machbar. Sie ist und bleibt ein Geschenk!

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