Sie möchte im Bett noch lesen, ihn stört das Licht. Das offene Fenster bringt der einen frische Luft, dem andern eine kräftige Erkältung. Er schnarcht, und sie hustet unermüdlich – allnächtliche Konflikte in vielen Schlafzimmern.

«Manchen Paaren tut das gemeinsame Schlafen nicht gut», sagt der Berner Paartherapeut Klaus Heer. Denn an erholsames Schlafen sei nicht zu denken, wenn die Bedürfnisse zu verschieden sind. «Nur die ersten drei Monate einer Beziehung bleiben unbehelligt. So lange regiert gewöhnlich die Verliebtheit», bilanziert Heer. Danach drohten «Harmonieterror» und «nostalgisches Beharrungsvermögen» im Ehebett.

Anstoss kommt oft von Frauen
Auseinandersetzungen über die Schlafgewohnheiten führen vielfach zum Wunsch nach getrennten Schlafzimmern. Meistens geht die Idee von den Frauen aus, während Männer von der nächtlichen Trennung weniger begeistert sind. «Nach zehn bis fünfzehn Jahren Ehe möchten viele Frauen sich selber wieder spüren, besonders nach aufopferungsvollen Mutterjahren», sagt die Winterthurer Paartherapeutin Claudia Haebler. «Sie brauchen Raum für ihre eigenen Bedürfnisse.»

Auch für Klaus Heer ist die räumliche Trennung ein möglicher Weg zur Verlängerung des gemeinsamen Glücks. «Viele Paare sind sich gar nicht bewusst, dass zu viel Nähe auch Stressgefühle auslöst.» Auch das breiteste Doppelbett werde irgendwann zu eng, so Heer. «Im Ehebett kann man sich kaum mehr nahe kommen, weil man ja schon nahe ist – zu nahe.»

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Getrennte Zimmer hingegen schaffen der Partnerschaft neuen Freiraum. «Wenn man sich gegenseitig in seine Zimmer einlädt, ist die Nähe des Partners jedes Mal bewusst gesucht», sagt Claudia Haebler. Das könne auch Zärtlichkeiten fördern und die Sexualität neu beleben.

Getrennte Betten und Räume sind aber kein Allheilmittel. Eine handfeste Ehekrise etwa lässt sich nur selten auf diese Weise lösen. Die räumliche Trennung könne am Anfang zwar hilfreich sein, sagt Claudia Haebler. «Die innere Distanz wird dadurch auch äusserlich wahrnehmbar.» Dauert diese Phase aber zu lange, können sich die Partner auseinander leben.

Aus diesem Grund ist Guy Bodenmann, Professor für Psychologie und Partnerschaftsforscher an der Universität Freiburg, kein Verfechter getrennter Schlafzimmer: «Für die meisten Paare ist das gemeinsame Schlafzimmer ein Ort der Intimität, der Geborgenheit und der Begegnung.» Dies sei umso wichtiger, als tagsüber das Leben der Partner meist sowieso in getrennten Bahnen verlaufe.

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Architekten nehmen Rücksicht
Oft scheitert der Wunsch nach separaten Schlafzimmern an den fehlenden Räumen. Einige Architekten statten deshalb die Elternschlafzimmer mit rollbaren Trennwänden aus. Zudem werden heutzutage die meisten Wohnräume neutral geplant – ohne die beiden typischen Steckdosen für die Nachtlampen. Umgekehrt gibt es aber auch den Trend zum intimen Elternséparée: Das gemeinsame Schlafzimmer ist mit eigenem Bad und begehbarem Kleiderschrank verbunden.

Ob zusammen oder getrennt schlafen: Traute Zweisamkeit steht nach wie vor hoch im Kurs. «Die Attraktivität der Ehe ist ungebrochen», sagt Guy Bodenmann. «95 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer heiraten irgendwann im Laufe ihres Lebens.»