Auf die Frage des Gesichts hin, weshalb ihm sein Leben denn nicht mehr gefalle, leerte das Gebiss seinen Kropf: «Erstens möchte ich auch einmal wie du die freie Sicht und den Sonnenschein geniessen und nicht immer in dieser dunklen Mundhöhle festsitzen. Zweitens schufte ich wie ein Verrückter. Ich kaue am Morgen schon beim Frühstück, dann beim Znüni, beim Mittagessen, beim Zvieri und beim Nachtessen. Damit aber nicht genug; mein Besitzer nascht auch noch zwischen den Mahlzeiten, und wenn er sich nicht gerade mit Süssigkeiten vollstopft, steckt er mir zu allem Überfluss einen Kaugummi zwischen die Zähne. Unaufhörlich muss ich zubeissen! Ich komme nie zur Ruhe, denn wenn mein Herr nicht isst, so redet er und ich habe dabei zu klappern. So eine Nervensäge! Und wenn du meinst, das sei alles, was ich zu erleiden habe, so hast du dich getäuscht. Mein Meister raucht Stumpen. Sieh mich doch an, wie ich aussehe! Ich bin bereits gelb und schwarz vom Rauch. Eine Schande ist das! Das Allerschlimmste aber kommt noch: Meinst du, ich hätte je eine Zahnbürste gesehen? Denkste! Ich strotze vor Dreck, und hier drinnen stinkts. Es ist kaum auszuhalten!»

«Da hast du allerdings recht», antwortete das Gesicht. «Ich halte diesen Gestank auch nicht mehr länger aus. Ausserdem hat mir die Nase schon mit ihrer Kündigung gedroht, wenn ich den Gestank nicht sofort abklemme.» Sagte es und schloss den Mund. Wer weiss, wie sonst das Gesicht ohne Nase dagestanden wäre.

Quelle: LearnAnatomy, Commons